12. April 2018

Dichten, ganz praktisch: Ihre Wortkunst im Blick

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Nehmen Sie Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen!

In der Federwelt (Nr. 129 April / Mai 2018) geht es mit dem zehnten Lyrik-Baustein weiter. Dort steht Ihre Leserschaft im Mittelpunkt. Um zu wissen, wie und wo Sie Ihr Publikum erreichen, hilft in einem ersten Schritt die Bestandsaufnahme: der Blick auf Ihr eigenes Schreiben.

„du kannst es nicht zählen, nicht fertig / benennen, das Gedicht ist ein Sieb, / in die Fremde gehalten […]“ *. Wie Ron Winkler (geb.1973) reflektieren Autor/innen seit Jahrhunderten ihre Wortkunst und suchen eine Antwort,

  • was ihnen das Schreiben bedeutet,
  • wie Verse entstehen oder
  • was Dichtung bewirkt.

Schließen Sie sich dieser Tradition an. Beziehen Sie in einem Gedicht Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen, indem Sie eine der drei Fragen aufgreifen.

Das Thema ist immer aktuell, auch über eine inzwischen verstrichene Einsendeaufgabe hinaus. Legen Sie einfach vor sich selbst Rechenschaft ab und machen Sie sich klar, wo Sie stehen und wie Sie mit Ihren gedichten und mit Ihrem Schreibstil konkret, zumindest konkreter vorgehen können, um Zuhörer und Leserinnen zu gewinnen.

* Winkler, Ron: kleine maritime poetik. In: vereinzelt Passanten. kookbooks 2004, S. 48

Von der eigenen Wortkunst weiter zur Leserschaft

Wie Sie Ihren Leser/innen weiter auf die Spur kommen können, verrät Ihnen auch die folgende Checkliste mit ihren drei Arbeitsschritten. Laden Sie die PDF-Datei entweder hier herunter oder klicken Sie für den Download auf das Bild unten:

Wortkunst die Reflexion zum eigenen Schreiben als Ausgangspunkt zur Leserschaft | Download-Ankündigung


Der Blick zurück auf das lyrische Ich und die Gedichtbühne zum Lyrik-Baustein 9

[Der Beitrag wurde im Mai 2018 aktualisiert]


1. Dezember 2017

Dichten, ganz praktisch: Malen Sie mit Worten ein Porträt!

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Giuseppe Arcimboldo: „Rudolf II. als Vertumnus“ (1591)

Werden Sie bei Dichten, ganz praktisch mit einer Allegorie zu Verwandlungskünstler/innen

Ich – drei Buchstaben von Bedeutung“ – die Unterscheidung von Autor/in und dem im Gedicht sprechenden Ich ist als neunter Lyrik-Baustein in der Federwelt Nr. 127 (Heft 6/2017) erschienen.

Die Einladung zum Federwelt-Wettbewerb Dichten, ganz praktisch ist zwar inzwischen überholt, aber der Schreibimpuls  an sich behält seine Gültigkeit. Verfassen Sie also nun zum Vergnügen und eigenen Gewinn eine Allegorie. Die spezielle Gedichtform eignet sich vortrefflich, um beide Positionen, Autor/in und lyrisches Ich, zu trennen und dabei auch Persönliches zu verfremden. Gönnen Sie sich also eine neue Identität!

Schreiben Sie ein (Selbst-)Porträt und nehmen Sie dabei Tiergestalt an oder werden Sie Pflanze. Vielleicht passt ein Instrument besser oder (mit einer Prise Humor) ein Küchenutensil? Giuseppe Arcimboldo steuert mit seinen Gemälden sicherlich weitere Ideen bei.

Heinrich von Kleist als Mentor

Ein Brief Heinrich von Kleists an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge gibt Ihnen genaue Anleitung. Denn darauf sollten Sie achten: Die Eigenschaften der Person müssen mit dem gewählten Objekt möglichst zur Deckung kommen. Den Ratschlag des Dichters finden Sie hier (→ 31. An Wilhelmine von Zenge; Brief vom 29./30. November 1800).



Und die Gewinnerin: Carla Capellmann

Carla Capellmann hat mit ihrem Selbstporträt „all die meere / meine landschaften“ gewonnen. Ihr Gedicht ist in der Federwelt (Heft 129) veröffentlicht. Wenn Sie über das lyrische Ich hinaus auch über die Autorin etwas erfahren möchten, haben Sie hier in der Vita von Carla Capellmann Gelegenheit.


  • Wenn Sie noch weitere Schreibideen suchen, dann: Zaubern Sie mit Klang! So lautete der Schreibimpuls im Federwelt-Magazin Nr. 125.
  • Johann Seidl nimmt als Sieger dieser Impuls-Runde auf Minotaurus, das stierköpfige Wesen der griechischen Mythologie, Bezug und webt daraus einen Traum voll Klang. Lesen Sie den Text in der Federwelt (Heft 127) oder hier auf der Website des Dichters: „Minotaurus“ von Johann Seidl.

[Der Beitrag wurde im April 2018 aktualisiert]


26. November 2017

Sprachspuren 1: Der Geist der Verneinung

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Sprachspuren nannte ich die Serie, die ich vor Jahren im Newsletter einer Kollegin schrieb. Aufmerksam zu werden, wie wir, auch im Alltag, Sprache einsetzen, – das war das Anliegen und ist es auch heute, wenn ich im eigenen Blog die Idee wieder aufgreife. Wer, wenn nicht gerade Lyriker/innen, setzt sich mit den Feinheiten der Sprache auseinander, um den Raum hinter den Worten zu erkunden.

Zum Neustart der Sprachspuren stellt sich Ihnen der  „Geist der Verneinung“ vor. Er führt in eine Einbahnstraße, glauben Sie? Dann lesen Sie weiter und machen Sie die Probe aufs Exempel.

Denken Sie nicht an den Elefanten!

Wer mit Aufforderungen und speziell mit Autosuggestionen arbeitet, weiß: Positiv formuliert sollen die Sätze sein, die man (sich) vorsagt. Sonst verkehren Sie sich ins Gegenteil und gehen als Schuss nach hinten los. Ich will nicht schon wieder zu spät kommen. Unser Gehirn „streicht“ das Nein. Was gelöst werden soll, kommt durch die Hintertür wieder zum Vorschein. Oder haben Sie den Elefanten wirklich ausgeblendet?

Doch nur positiv denken und formulieren? Wie sähe ein Sprachalltag ohne nicht und nein aus? Versuchen Sie es für eine halbe Stunde. Wäre Bezugnahme aufeinander möglich, Abgrenzung? Was gilt überhaupt alles als Verneinung? Gehört auch der Gegensatz dazu? Würde Ihnen ohne Nein etwas fehlen?

Die Vielfalt der Verneinung

In meinen Lyrik-Werkstätten gibt es eine einfache Übung, die sich genauso auf einen Zeitungsartikel oder eine Romanpassage anwenden lässt. Ändern Sie alles in die Negativform um, lautet der Schreibimpuls.

Es erstaunt immer wieder, wie viele unterschiedliche Texte aus einer einzigen Vorgabe entstehen. Wird schön beispielsweise zu unschön oder bleibt es nicht schön? Ist es hässlichabstoßend oder ganz und gar widerwärtig?

Der „Geist, der stets verneint,“ hat vielerlei Abstufungen zur Auswahl. Um zu einem positiven Bild zu gelangen, braucht es oft erst den Umweg der Trennung und Verneinung. Denn häufig wissen wir schneller, was wir nicht wollen. Auf ein Nein zu verzichten, würde daher ein Stück Weg abschneiden, der uns aus Undefiniertem zur Präzision führt – und uns schließlich im positiven Bild das Ziel vorgibt.

Die Dichterin Marie Luise Kaschnitz zeigt im umkreisenden Denken solches Zu-sich-Kommen und Gebären. Das Nichts erweist sich als Fülle und dialektisches Prinzip, das Antwort sucht:

Nicht gesagt
Was von der Sonne zu sagen gewesen wäre
Und vom Blitz nicht das einzig Richtige
Geschweige denn von der Liebe.
[…]
Aber wer bin ich daß

Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) *

Auf lyrikline können Sie das Gedicht in voller Länge lesen und vor allem von der Dichterin selbst vorgetragen hören. * Das Zitat hier aus: Nicht gesagt. Kaschnitz, Marie Luise: Gedichte. Insel Verlag. Frankfurt am Main 2002. S. 161

Bücher, die bei diesem Schreibimpuls garantiert inspirieren

Unter dem Stichwort Antonyme finden Sie auch Bücher, die Ihnen die Vielfalt von Verneinung und Gegensatz aufzeigen. Ein Standardwerk ist das von Erich und Hildegard Bulitta zusammengestellte Wörterbuch der Synonyme und Antonyme. Von Christiane und Erhard Agricola stammt der in der Dudenreihe erschiene Band Wörter und Gegenwörter.

Mit beiden Nachschlagewerken haben Sie problemlos Wörter über Wörter zur Hand. Wie war das mit Verneinung und Gegensatz, die auch die Silbe -los einschließen? Gibt es also doch Probleme mit dem Wortschatz? Wenn, dann mit der Fülle, die Ihnen zur Auswahl steht :-)

Lassen Sie sich bei Ihrem Dichten auch hier inspirieren: