12. April 2018

Dichten, ganz praktisch: Ihre Wortkunst im Blick

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© jakkapan / depositphotos

Nehmen Sie bei Dichten, ganz praktisch Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen

In der aktuellen Federwelt (Nr. 129 April/Mai 2018) geht es mit dem zehnten Lyrik-Baustein weiter. Dort steht Ihre Leserschaft im Mittelpunkt. Um zu wissen, wie Sie Ihr Publikum erreichen, hilft zunächst die Bestandsaufnahme: der Blick auf Ihr eigenes Schreiben.

„du kannst es nicht zählen, nicht fertig / benennen, das Gedicht ist ein Sieb, / in die Fremde gehalten […]“ *. Wie Ron Winkler (geb.1973) reflektieren Autor/innen seit Jahrhunderten ihre Wortkunst und suchen eine Antwort,

  • was ihnen das Schreiben bedeutet,
  • wie Verse entstehen oder
  • was Dichtung bewirkt.

Schließen Sie sich dieser Tradition an. Beziehen Sie in einem Gedicht Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen, indem Sie eine der drei Fragen aufgreifen.

* Winkler, Ron: kleine maritime poetik. In: vereinzelt Passanten. kookbooks 2004, S. 48

Übrigens: Wie Sie Ihren Leser/innen weiter auf die Spur kommen können, verrät Ihnen der Federwelt-Artikel auch mit einem Extra-Download. Holen Sie sich im Magazin den Link :-)



→ Möchten Sie das Ergebnis Ihrer Arbeit Anke Gasch, der Chefredakteurin der Federwelt, schicken? Das können Sie gern hier gleich mit Klick per Mail tun – Sie haben bis zum 20. April 2018 Zeit.

PS : Schicken Sie bitte Ihr Gedicht direkt an Frau Gasch. Nochmals die Adresse sichtbar zum Notieren: anke.gasch@federwelt.de


Was Sie mit der Reflexion über Ihr Schreiben bei Dichten, ganz praktisch erreichen können:

Ich wähle aus den eingegangenen  Texten, die mir Anke Gasch anonym weiterleitet, ein Gedicht aus. Dieser Favorit wird in einer der nächsten Ausgaben der Federwelt veröffentlicht.**

Als „Lohn“ dafür erhalten Sie meine Impulsreihe Lyrik auf Alltags-Kurs. Dieser E-Mail-Kurs inspiriert Sie einen Monat lang zum regelmäßigen Dichten. Er eröffnet Ihnen Wege, Ihre Wahrnehmung für poetische Themen just im Alltagsgetriebe zu schärfen: Ihre Professionalität als Autor/in ist herausgefordert – und gewinnt dazu.

** Die Federwelt-Redaktion behält sich vor, lediglich Auszüge aus dem Gedicht zu veröffentlichen, sollte der Umfang Ihres Gedichtes über 1000 Zeichen inklusive Leerzeichen liegen.



Der Blick zurück auf das lyrische Ich und die Gedichtbühne zum Lyrik-Baustein 9

Werden Sie bei Dichten, ganz praktisch mit einer Allegorie zu Verwandlungskünstler/innen, so lautete der Schreibimpuls in der Federwelt Nr. 127 . Carla Capellmann hat gewonnen. Lesen Sie ihr Gedicht „all die meere / meine landschaften“ in der aktuellen Ausgabe (Federwelt Nr. 129)

Die Dichterin ist auch in diesem Blog keine Unbekannte. Carla Capellmann überzeugte mit ihren Sprachspielen bereits zweimal die Jurorinnen der „Monatsgedichte“.


10. März 2018

Aufbruchstimmung im Märchenland: „Ein Rock, ein Prinz, ein Drachenherz“

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Prinzessin Pauline | Interview mit Anke Gasch Foto c Kerstin Krüger

Anke Gasch / Foto © Kerstin Krüger

Vier Koffer voller Kleider müssen für eine mutige Prinzessin kein Nachteil sein

„Ich bin Autorin, Freie Lektorin, Schreibberaterin, Chefredakteurin … Genau diese Vielfalt finde ich wunderschön.“ So stellt Anke Gasch sich auf ihrer Website Frohes Schreiben! vor. Ihren Aufruf verknüpft die vielseitig ‚Wortschaffende‘ auch mit dem Anliegen der Leseförderung. Kein Wunder also, dass die Autorin mit ihrem Buch „Prinzessin Pauline zieht los“ bereits beim jungen Publikum Eindruck hinterlässt.

Dass die Abenteuer der Prinzessin aber auch Erwachsenen Vergnügen bereiten und zudem eingefahrene Denkmuster in Frage stellen, macht Anke Gasch im folgenden Interview schnell klar. Denn (nicht nur) weibliches Rollenverhalten übt sich früh ein. Aufbruch tut immer noch not. Doch es gibt Pauline. Die kleine Heldin geht als Beispiel voran. Sie besitzt genügend Mut: „Ein Rock, ein Prinz, ein Drachenherz,/ Und vorwärts, vorwärts, fix voran!“

Ein Gespräch mit Anke Gasch über ihr Bilderbuch „Prinzessin Pauline zieht los“

Prinzessin Pauline fällt in den Teich und wird vom Prinzen gerettet – das folgt bekannter Märchenart. Doch Deine Tochter, von der die Idee stammt (damals drei Jahre alt), hat den Handlungsfaden gleich weitergesponnen: Ein Drache entführt den Prinzen, den wiederum Pauline befreit.

Ganz genau war das so: Britta meinte, „Mama, mir ist da gerade eine neue Geschichte eingefallen.“ Dann berichtete sie mir vom Teichfall, der Prinzenrettung und sagte diesen Satz: „Aber dann kam ein Drache und schnappte den Prinzen weg.“ Und ich dachte nur „Wow!. Da suche ich oft stundenlang nach dem perfekten Pitch für die Geschichten, die rauswollen, und meine Tochter haut da so mir nichts dir nichts einen raus, der so viel Spannungspotenzial hat, der sofort einen inneren Film anstößt.“

Der Anfang hat sich in meinem Kopf festgesetzt und dort weitergearbeitet. Mir war klar, dass in diesem Fall nur die Prinzessin den Prinzen retten kann, völlig neu für ein Märchen, im echten Leben mit Alltagsprinzen aber durchaus normal. Also dringend Zeit, es literarisch widerzuspiegeln.

„Pauline steht zu sich und traut sich was zu“

Was hat Dich an dieser Gedankenfolge so gepackt, dass Du nicht nur gleich losgeschrieben, sondern Pauline ausgerechnet mit vier Kleiderkoffern auf den Weg geschickt hast?

Bevor ich losgeschrieben habe, musste ich mir natürlich gut überlegen, was für ein Typ Mensch Pauline sein sollte. Zu dieser Zeit zog Britta sich etliche Male am Tag um. (Und ließ die „alten“ Klamotten dann alle am Zimmerboden liegen.) Das Umziehen war ihr sehr wichtig, zu jedem Anlass gab es den richtigen Style. Ich übertrug das auf Pauline und gab einen Teil vom Anke-Kind dazu, das schon öfter mal einfach heimlich gemacht hat, was es wollte, selbst wenn es verboten war.

Und nun zu deiner Frage, was mich absolut gepackt hat. Das war der Wunsch zu zeigen, dass wir Frauen ganz Frau sein können und trotzdem zupackend und erfolgreich. Und dass es im Regelfall großartig ist, wenn ein starker Mann und eine starke Frau sich gegenseitig stützen. Ist ja erstaunlicherweise heute oft noch so, dass wir Frauen Stempel kriegen. „Emanze“, „Püppi“, „Karrierefrau“, „Hausfrau“, „Luder“ … um nur einige zu nennen.

Ich bin gegen Stempel und dafür, sich jeden Menschen ganz genau anzuschauen in seiner wunderbaren Vielfalt. Pauline steht zu sich und traut sich was zu, sie liebt eben Kleider, also kommen die auch mit, wenn sie loszieht, den Prinzen zu retten. Letztlich ist es genau ihr Kleidertick, der zum Erfolg ihrer Mission führt. Ihre vermeintliche Schwäche entpuppt sich als besondere Stärke.

Für Kinder schreiben –

Deine von Stefanie Jeschke lebendig illustrierte Geschichte richtet sich an Vier- bis Sechsjährige. Ist es Dir durch den Austausch mit Deiner Tochter leichter gefallen, Dich auf die Sprache der Kinder einzustellen? Gab es dabei nicht auch Momente, über den eigenen Schatten als Erwachsene zu springen?

Hm. Da bin ich unsicher. Meine Agentin sagt immer, meine Kinder seien nicht das Maß der Dinge. Weil in unserer Familie eben alle viel miteinander reden, fast alle am laufenden Band lesen, zwischendurch noch Audiobücher hören. Worte, Geschichten sind bei uns omnipräsent.

Mit meiner Lektorin habe ich über zwei, drei Stellen diskutiert. Verstehen Kinder das? Gehen sie bei den literarischen Sprüngen schon mit? Aber Kinder sind sehr schlau. Schlauer, als Erwachsene oft meinen. Kinder halten das nur ganz gern von uns fern und schaffen sich ihre eigene Welt.

So haben meine Lektorin und ich wunderbare Lösungen, auch Kompromisse gefunden. Gott sei Dank ist mir dadurch auch Marcus-Cäsar geblieben. Er und seine leidige Hundeangewohnheit sollten wegen mangelndem Seitenplatz gestrichen werden: Ich habe lieber an anderer Stelle gekürzt. Insgesamt hat das Lektorat dem Buch sehr gut getan, in einer Passage hätte sonst was durchaus Missverständliches gestanden.

Über meinen Schatten springen musste ich nicht wirklich, weil ich mich an viele Kindheitserlebnisse und meine Gefühle zu der Zeit gut erinnern kann. So ist auch die eher strenge Königin-Mutter entstanden. Ebenso der Vater, der von der Prinzessinnen-Power beeindruckt ist und Pauline so weit wie möglich frei handeln lässt.

– und lesen, lesen, vorlesen


Cover zu "Pauline zieht los" von Anke Gasch und ill. von Stefanie Jeschke, erschienen 2015 bei Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin

Anke Gasch / ill. von Stefanie Jeschke „Prinzessin Pauline zieht los – Ein Rock, ein Prinz, ein Drachenherz“ erschienen 2015 bei Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin, 12,95 €.

Audio © Anke Gasch | Die ersten drei Seiten des Buchs gelesen von der Autorin; mit freundlicher Genehmigung des Verlags


Prinzessin Pauline als literarische Figur –

Kannst Du Dir vorstellen, dass Pauline gleichsam mit Deiner Tochter heranwächst und auf diesem Weg zu einer literarischen Figur für andere Altersstufen wird?

Nein. Weil ich denke: Das kann sie jetzt schon sein. Märchen funktionieren für mich für jedes Alter. Ich selbst habe mir im letzten Jahr erst wieder einen Schwung Bilderbücher zugelegt, von denen meine Tochter die meisten gar nicht liest, die ich aber toll finde und bei Bedarf genieße oder an Besuchskinder verleihe. Unterwegs ist gerade „Der Punkt: Kunst kann jeder“. Solche Bücher sind Schokolade für die Seele, bringen was zum Klingen, stoßen was an.

– auch über das Medium Buch hinaus

Wie wichtig ist Dir das Medium Buch? Prinzessin Pauline hatte in einem Schweizer Figurentheater schon ihren Bühnenauftritt. Hier im Blog gibt es eine Audio-Version, in der Du die ersten drei Seiten des Buchs selbst liest. Wäre für Dich auch ein Wechsel ins digitale Medium vorstellbar?

Ich liebe Bücher! Bin auf Fuchurs Rücken geritten und war mit Pippi Sachen suchen, habe mit dem Sams „Frau Rosenkohl ist innen hohl“ gesungen, habe mit Amanda X ermittelt. Mit Jean Perdu war ich auf der Seine unterwegs und beim Tango tanzen … Ich mag den haptischen Genuss, das Geräusch beim Umblättern, den Papiergeruch. Vor allem dass Bilder entstehen, die nur ich so sehe, ausgelöst von fremden Schilderungen und doch ganz meine Welt, etwas, das ich beim Lesen miterschaffe.

Dennoch sind für mich alle Medien denkbar, die Geschichten lebendig machen. Denn die sind für mich das letztlich Zentrale: horizont-erweiternd, abenteuer-im-sicheren-hafen-bietend, seelenknoten-auflösend. Also ja, ich bin auch für digitale Veröffentlichungen zu haben, für alles, was da so denkbar ist, bin auch experimentierfreudig. Doch mein Herz geht so richtig auf, wenn ich ein Buch, das mich berührt, streicheln kann, und ja, ich habe das mit meinem Kindle E-Reader versucht, aber das Gefühl ist nicht dasselbe …

Vielen Dank für unser Gespräch und Deine Lesung!

 

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22. Januar 2018

„Das Alphabet des Denkens“ – oder wie Wörter wirken

Kategorien: Bücher,Buchserie | Dichten,Sprache — Tags: , , — Michaela Didyk

Dass Sprach- und Hirnforschung kurzweilig und vor allem verständlich sein kann, beweist das „Alphabet des Denkens“ von Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen.
Günter Ott bespricht als Gastautor das Buch. Erfahren Sie an so manchem Beispiel, wie und warum Wörter wirken.

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Wörter wirken, das zeigt das Alphabet des Denkens - bunte Buchstaben im Raum kreisend angeordnet

Visuelle Vorstellungen beim Klang von Wörtern

Stellen Sie sich ein gezacktes Gebilde vor und daneben ein anderes mit runden Ausstülpungen. Wenn Sie nun diese beiden Darstellungen mit einem Fantasienamen versehen sollten: Welche würden Sie als „Kiki“, welche als „Bouba“ bezeichnen?

Die große Mehrheit, so der Test eines Neurowissenschaftlers, entschied, die rundliche Figur solle „Bouba“, die zackige „Kiki“ heißen. Warum? Weil „Bouba“ weicher klingt als das schrill-harte „Kiki“. Dieses Experiment zeigt, dass mit dem Klang von Wörtern visuelle Vorstellungen verbunden sind.

Das ist nicht so überraschend. Man sehe nur auf die Poesie und ihre Lautmalereien (und Synästhesien). Oder zitiere Christian Morgenstern: „Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen.“

Wie steht es um die Wörter? Spielen sie ein doppeltes Spiel mit uns? Eines, das wir zu beherrschen glauben, und eines, das „unter der Hand“ mitläuft? Wir wissen (im besten Fall), was wir sagen, aber wir wissen längst nicht immer, warum und wie wir dies tun.

Dem Alphabet des Denkens auf der Spur

Wie wirken also Wörter? Welche Macht haben sie über uns? Was verraten sie über unser Denken? Solche grundlegenden, spannenden Fragen verhandelt das aufsehenerregende Buch „Das Alphabet des Denkens“ der beiden Zeit-Autorinnen Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen.

Sie haben sich durch neuere und neueste Untersuchungen von Sprach- und Hirnforschern gearbeitet und die Ergebnisse kurzweilig und verständlich komprimiert – zudem mit dem nötigen Abstand zweier Wissenschafts-Redakteurinnen. Sie teilen eine Fülle von Erstaunlichem über Sprache und Denken mit, wissen aber auch um vorläufige, nicht ausreichend gestützte Testergebnisse, kurz: um die noch ungelösten Rätsel der Wissenschaft.

Nach der Lektüre weiß der Leser besser, was ihm von der Zunge und was ihm in Ohr und Gehirn geht.

Laute und Wörter setzen emotionale Schwingungen in Gang. Das macht sich nicht zuletzt die Werbung zunutze. Wohlklingende Namen können die Vorliebe für ein Produkt steigern. Versuchspersonen schätzten eine Seife als milder ein, wenn sie „Iseck“ und nicht „Oseck“ hieß. Ein Bier namens „Teyag“ stellten sie sich heller vor als eines mit dem Namen „Teyog“.

Nicht ohne – die Kraftausdrücke

Besonders emotionale Wörter sind Kraftausdrücke. Was sind die letzten Worte von Menschen, die ahnen, dass sie in einem abstürzenden Flugzeug sitzen? Nicht selten, so übermitteln es Aufzeichnungen von Flugschreibern, stoßen sie in ihrer ausweglosen Verzweiflung Schimpfwörter aus: „Was für einen Scheiß haben die gemacht?“ „Das war’s Leute! Fuck!“ Oder einfach: „Fuckkkkkk!“

Warum fluchen Deutsche anders? Schreit der Engländer „fuck“, schimpft der Deutsche „scheiße“. Dem Sexuellen steht das Exkrementelle gegenüber – allerdings nicht durchgängig. Man höre auf die Jugendlichen: „Fick dich!“, „Wichser“. Schimpfwörter, so wurde gemessen, können gegen Schmerzen helfen. Sie lösen Stress aus und steigern die Leistungsfähigkeit.

Ein Psychologe forderte Probanden auf, ihre Hände in eiskaltes Wasser zu tauchen – was sehr bald wehtut. Die Testpersonen durften entweder laut schimpfen oder harmloses Zeug reden. Haben sie geflucht, hielten sie es im Schnitt 40 Sekunden länger im Eiswasser aus als die andere Gruppe.

Der „sprachliche Fingerabdruck“

Die renommierten Experten (die im Buch alle ausgewiesen sind) nehmen längst nicht mehr nur das große Ganze unter die Lupe, sondern etwa die Menge der in einem Text verwendeten Artikel, Personalpronomen, Konjunktionen. In Teilen vermögen sie, daraus so etwas wie einen „sprachlichen Fingerabdruck“ zu erstellen – was sogleich Detektive und Geheimdienste aufhorchen lässt.

Sagt jemand häufiger „ich“ und „mein“ als „du“, „er“, „wir“, „sie“? Die Tonbandaufnahmen zum Watergate-Skandal (die geheime Abhöraktion gegen das Hauptquartier der US-Demokraten) ergaben, wie der amtierende Präsident Nixon immer stärker unter Druck kam, wie sich seine sprachliche Dominanz minderte und am Ende statt des vorher viel beschworenen „wir“ nur noch „ich“ übrig blieb.

Der (manipulativen) Politiker-Sprache ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie der „Heilkraft der Worte“. Im Übrigen bietet die Wissenschaft genügend Belege für die Horizonterweiterung durch Zweisprachigkeit. Dazu eine Psychologin: „Einwandererkinder werden oft gedrängt, ihre Herkunftssprache aufzugeben. Das ist aus mehreren Gründen ein Fehler. Es ist ein Verlust für die Familien, und es ist eine Vergeudung von Chancen.“

Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen: „Das Alphabet des Denkens. Wie Sprache unsere Gedanken und Gefühle prägt“ [Amazon-Link zum Buch]

Günter Ott leitete das Feuilleton der Augsburger Allgemeinen Zeitung und arbeitet weiterhin als freier Journalist und Literaturkritiker.