Richard Burton liest John Donne | „The Good Morrow“

Kategorien: Autorinnen & Autoren,Fundstücke,Lesungen — Michaela Didyk

John Donne Portrait Unternehmen Lyrik Blog

John Donne (1572–1631)

Verse des englischen Dichters John Donne gehörten bisher eher zu meiner Pflichtlektüre. Aber eines seiner Gedicht rezitiert zu hören, ist etwas ganz anderes! Dass es in den Tiefen des Web Schätze in Hülle und Fülle gibt, ist nichts Neues. Doch es erstaunt mich doch immer wieder, wie auf einem zufällig genommenen Umweg plötzlich ein Juwel aufblitzt.

Mich führte die Suche nach Anschaungs- und Hörmaterial zu einer Lesung Richard Burtons. Ich wollte in meinem Sonettenkurs die englischen Originaltexte durch Audiodateien ergänzen. Der oft erzwungene Reim oder die reimlose Version der deutschen Übersetzung sollte so mit dem ursprünglichen Klangbild ein Gegengewicht erhalten.

John Donne als Dichter des ersten Sonettenkranzes

Dabei fand ich Burtons Vortrag eines Gedichtes von John Donne (1572-1631), auf den der erste Sonettenkranz „La Corona“ mit ineinander verflochtenen Zeilen zurückgeht. Zur ausführlichen Biografie des Dichters (in Englisch) gibt es eine deutsche Kurzfassung hier.

Burton liest nicht das gesuchte Gedicht aus „La Corona“, geschweige das ursprünglich anvisierte Sonett 18 von William Shakespeare. Doch „The Good Morrow“ ist ein Hörgenuss, in den ich gerne auch öfters eintauche. Dieses „Fundstück“ regte mich jedenfalls an, eine Blog-Rubrik mit Entdeckungen dieser Art zu bestücken.

Die von Ulla Hahn herausgegebene zweisprachige Ausgabe der Liebesgedichte John Donnes bietet noch mehr einschlägigen Lektürestoff. Hier geht es nun aber erst einmal ums Zuhören. Viel Spaß!


Lyriklesungen, inspiriert und klassisch. Loriot darf da nicht fehlen!

Kategorien: Fundstücke,Lesungen — Tags: , — Michaela Didyk

Lesungen - aufgeschlagenes Buch mit buntem Schnitt

© Raffaela / Pixelio

Tisch und Stuhl, eine Lampe, ein Glas Wasser. Das sind die ersten Assoziationen beim Wort Lesung. Die Einsamkeit des Dichters ist hinter dem Tisch zu spüren, oft auch die Einsamkeit in Form leerer Stuhlreihen davor, zumindest wenn Lyrik angesagt ist. Doch Lesungen sind im Aufwind. Das gesprochene Wort hat in den letzten Jahren mehr Gewicht bekommen. Der immer noch anhaltende Trend der Hörbücher zeigt es.

Der Klang der Stimme, ebenso der unmittelbare Kontakt zwischen Lesendem und Publikum setzen eine andere Wahrnehmung frei. Ein Gedicht zu hören und – das zeigt auch ein Experiment in meinen Lyrikkursen – beispielsweise darauf ein Antwortgedicht zu schreiben, lässt dieses viel emotionaler ausfallen, als wenn der Ausgangstext in einem Buch gelesen wird. Das Hören zieht uns in das Geschehen, während wir über das Sehen eher Distanz aufbauen. Ein spannendes Kapitel der Philosophie ließe sich hier anschließen, in dem deutlich wird, wie sehr wir auf das Auge und seinen Blick ausgerichtet sind und dadurch unsere Weltsicht oder Weltanschauung ordnen.

Lesungen auf ein spezifisches Publikum ausrichten und im Detail planen

Zurück zur Lesung. Autorinnen und Autoren sind oft froh, überhaupt lesen zu dürfen, und verlieren darüber teils ihr Publikum aus dem Blick. Sich der Leserschaft bewusst zu werden, auch hier Zielgruppen wie bei beruflichen Erfolgsstrategien ausfindig zu machen und den Auftritt entsprechend auszurichten, ist ein wichtiger Faktor für die gelungene Veranstaltung. Neben der Frage, wen will ich ansprechen, ist genauso das Wie zu klären.

Stimmen die klassischen Rahmenbedingungen – siehe oben – oder bietet sich eher eine Performance an. Gar ein Event? Lesungen zu organisieren und zu gestalten, ist in der Vielfalt ein weites Feld. Wer hier Anregungen braucht, kann im Sammelband Auf kurze Distanz. Die Autorenlesung: O-Töne, Geschichten, Ideen fündig werden, den Thomas Böhm, Programmleiter im Literaturhaus Köln, herausgegeben hat. Dichter, Rezitatoren und Literaturveranstalter reflektieren in den diversen Beiträgen das Thema.

Die klassische Lesung: Loriot alias Lothar Frohwein im Musenhain

Damit sich die Lektüre gleich mit Anschaulichkeit verbindet, sind Sie zum Schluss zu einer ganz besonderen Dichterlesung eingeladen: „Krawehl, Krawehl! / Taubtrüber Ginst am Musenhain / Trübtauber Hain am Musenginst!“ Kein Wunder, dass es mit solchen Versen bei Dichter und Zuhörer zum Schluckauf kommt.

Ob sich eine Lesung dieser Art für Ihren Auftritt bewährt? Man muss wohl mit Loriot im Bunde sein, um mit einer solch „klassischen Lesung“ Erfolg zu haben und  lyrische Erhabenheit so vergnüglich zu inszenieren. Viel Spaß beim Zuschauen!