Baustein 5: Lyrischer Klang im Spiel mit den Buchstaben

Kategorien: Lyrisches Handwerk,Themen der Lyrik — Tags: — Michaela Didyk
Lyrischer Klang Lautgedicht Reim Foto Noten haengen in einem Baum Unternehmen Lyrik Fotolia-35782432

© queidea | Fotolia

Die suggestive Melodie der Vokale und Konsonanten

Da die Ohren von Natur aus auf Empfang eingestellt sind, können Sie mit der Melodie und Klangfarbe Ihres Gedichts „Zauber“ wirken.

Singet leise, leise, leise,
singt ein flüsternd Wiegenlied,
[…]
Singt ein Lied so süß gelinde,
wie die Quellen auf den Kieseln,
wie die Bienen um die Linde
summen, murmeln, flüstern, rieseln. (1)

Clemens Brentano, 1778–1842

Vor allem die Dichter der Romantik sind Klangkünstler. In Clemens Brentanos Versen finden Sie hohe und weiche Vokale, die sich erst in den letzten Zeilen zum U verdunkeln. Ebenso zart wirken die Konsonanten, wenn sie den Flüsterton und das Rieseln der Quelle aufnehmen. Es sind beruhigende Zeilen; in den kleinen Satzeinheiten mit Wiederholung übertragen sie Ruhe und Geborgenheit .

Auch Rainer Maria Rilke ist ein Meister des Klangs:

Da drin: das träge Treten ihrer Tatzen
macht eine Stille, die dich fast verwirrt;
und wie dann plötzlich eine von den Katzen
den Blick an ihr, der hin und wieder irrt,
[…] (2)

Rainer Maria Rilke, 1875–1926

Hier fallen zum betonten I und A die Alliterationen auf, die mehrfachen Wortanlaute auf D und T, die beim Lesen sofort einen Sog ausüben.
Es lohnt sich, die Laute herauszufinden, die Stimmungen erzeugen und wiedergeben. Auch wenn einschlägige Untersuchungen vorliegen – beginnen Sie bei sich selbst! Wie hört sich ein Jubelschrei an, wie reagieren Sie auf eine Überraschung? Meist sind Sie von ah, oh bis ui bei einzelnen Lauten angelangt. Mit ihnen halten Sie den Zauberschlüssel für Klang und Gefühl in der Hand.

Buchstaben auf dem Prüfstand

„Die Buchstaben sind bereit, durcheinandergewürfelt zu werden.“ (3) Die japanische Schriftstellerin Yoko Tawada, die auch auf Deutsch schreibt, vermittelt in ihren Sprachreflexionen oft erstaunliche Einsichten.
Vielleicht geht es Ihnen bei dem einen oder anderen folgenden Lautgedicht ähnlich wie ihr: „Wenn ich deutsch spreche, komme ich mir manchmal vor wie eine Komponistin, die in einem Wald steht und versucht, die Musik der Vögel zu hören, zu notieren und nachzuahmen.“ (4)
Machen Sie die Probe aufs Exempel und versuchen Sie, dem „buchstabierdialog“ Ernst Jandls zu folgen:

: S.T.S.T.S.T.S.T.E.

: H.B.
K.N.E.
Z.

[…] (5)

Ernst Jandl, 1925–2000

Dass der zunächst Gefragte keine Zeit hat, hören Sie in diesem Zwiegespräch nur, wenn Sie die Zeilen laut lesen und sich so Vokalanklänge zwischen die Konsonanten schleichen.
1956 begann Jandl seine Experimente, in denen er Worte in Silben und Buchstaben zerlegte. Sein sprachspielerischer Ansatz wurde in den 1960ern zur Provokation, da er scheinbar mit Unsinn aufwartete. Zu Jandls großen Leistungen gehört jedoch, dass er die Sprache bis in kleinste Einheiten bewusst macht. (6)

Kurt Bartsch vereinheitlicht Konsonanten und setzt F gleichwertig für V und W. Im so nur „angenäherten“ Wortklang verfremdet sich die Aussage: Der Weltuntergang verliert an Pathos und bleibt doch eindringlich. Zudem schieben sich Worte ein, die ihren alltäglichen Sinn beibehalten: fiese könnte über wiese hinaus Hintergründe für den Weltzustand andeuten oder zusammen mit der Anfangszeile sogar ein Aufruf sein:

fom fleck feg
fald und fiese
feltuntergang
[…] (7)

Kurt Bartsch, 1937–2010

Nonsens oder Sprachaufbruch im Lautgedicht

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stimmte Christian Morgenstern das Große Lalula an. Die Dadaisten, einer davon Hugo Ball, luden ebenfalls zum „Klang-Happening“ ein. Nonsens-Dichtung lautete das ablehnende Urteil.

Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro – prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
[…] (8)

Christian Morgenstern, 1871–1914

Morgensterns Lautgedicht war jedoch ein Abgesang auf eine hehre Verskunst, die sich im Pathos verlor. Hugo Ball dagegen wollte das Wort aus seinem Bedeutungskorsett befreien und in reiner Klanggestalt zur Wirkung bringen. Dadurch würden die Lesenden selbst zu Sprachmagiern, da sie mit dem Aussprechen des „Wortes“ bereits beeinflusst würden. Unterschiedliche Schrifttypen sollten die Lautstärke, Tonhöhe oder Stimmung optisch vermitteln.

Lautgedicht Karawane von Hugo Ball in verschiedenen Schrifttypen für unterschiedlichen Klang , teils Reim Reim (9)

  Hugo Ball, 1886–1927

Im Zertrümmern der herkömmlichen Worte und in der Neukombination der Buchstaben ergeben sich fremde Sprachen. Möchten Sie nicht mit einer Geheimsprache aus Kindertagen mithalten? Lassen Sie die Buchstaben purzeln! Mit seinem Gedicht in Bi-Sprache lädt Joachim Ringelnatz dazu ein:

Ibich habibebi dibich,
Lobittebi, sobi liebib.

[…] (10)

Joachim Ringelnatz, 1883-1934

 Jeder Reim belebt den Klang – doch nutzen Sie Vielfalt!

Allem Sprachaufbruch steht der Reim als konventionelle Gegenkraft gegenüber. So scheint es, beachtet man nur den herkömmlichen Endreim. Doch Reime sind vielfältig und bieten mehr als bloßen Zierrat am Versschluss.
Anfangsreim, Schlagreim, Binnenreim, Mittenreim, unreiner Reim, Halbreim, Assonanz sind Reimformen (11), die durch den Rap wieder stärker ins Rampenlicht gerückt sind.

Häng deine Hoffnung an ein Plastikschwein made in Taiwan,
häng deine Hoffnung an ein Pflasterstein und andern Kleinkram.
Zur Show gibt es Kitsch,
zum Popstar das Image,
[…]
Dran glauben!
Kram kaufen!
[…] (12)

Bas Böttcher, *1974

Wenn Sie über das Gedicht hinweg Reimworte einstreuen, wirken sie wie ein Echo. Beim Lesen fällt eine Klangspur auf, die durch das Gedicht führt.
Setzen Sie regelmäßig den Endreim, verlagern Sie dagegen den Schwerpunkt auf die Schlussworte. Achten Sie deshalb darauf, vor allem die sinntragenden Worte im Klang zu verketten.
Der Reimklang bringt übermächtig alles, auch Widersprüche, in eine harmonische Ordnung und wirkt dadurch in unserer Zeit oft überholt. Da die deutsche Sprache zudem für Reime wenig geeignet ist, kommen „verbrauchte“ Reimpaare hinzu. Bas Böttcher hält allerdings ein Rezept dagegen bereit und frischt mit Fremdwort Kitsch/Image und Umgangssprache Dran/Kram auf.

  • Quellenangaben:

(1) Singet leise, leise, leise. Brentano, Clemens: Gedichte, Reclam 1995, S. 85
(2) Die Fensterrose. Rilke, Rainer Maria. In: Sprachspeicher (Hg. Thomas Kling), DuMont 2001, S. 212
(3) Tawada, Yoko: Sprachpolizei und Spielpolyglotte. Konkursbuch 2007, S. 28
(4) Dieselbe: Verwandlungen. Konkursbuch 1998, S. 22
(5) buchstabierdialog. Jandl, Ernst: Sprechblasen, Reclam 1979, S. 58
(6) Ernst Jandls Lesungen sind im Archiv seiner Website zu sehen und hören
(7) felt futsch. Bartsch, Kurt. In: Poetische Sprachspiele (Hg. Klaus Peter Dencker), Reclam 2002, S. 318
(8) Das große Lalula. Morgenstern, Christian: In: Echtermeyer. Deutsche Gedichte. (Hg. Elisabeth K. Paefgen, Peter Geist), 20. Auflage, Cornelsen 2010, S. 502
(9) Karawane. Ball, Hugo: Ebd. S. 616.  Zu hören auf lyrikline mit Christian Bök
(10) Gedicht in Bi-Sprache. Ringelnatz, Joachim. Ebd. S. 125
(11) wortwuchs.net/reimformen
(12) Dran glauben. Böttcher, Bas: Neonomade, Voland & Quist 2009, S. 08. Vom Autor auf lyrikline gesprochen

Dieser Artikel erschien leicht variiert zunächst in der Federwelt (Nr. 117 April/Mai 2016)

.


Lyrik-Baustein 3: Mit rhetorischen Figuren die Aussage verdichten

Kategorien: Lyrisches Handwerk,Themen der Lyrik — Tags: — Michaela Didyk

durch-stilmittel-oder-figuren-gewinnen-buchstaben-als-kleinster-lyrik-baustein-dichte-und-struktur-Depositphotos_67831811

© vera_holera | Depositphotos

Der Lyrik-Baustein, der die Wirkung zwischen (den) Zeilen betont

Gedichte wollen aus der Schublade „hinaus in die Welt“. Das liegt in der Natur der Sprache als Kommunikationsmittel. Sie meinen, Sie schreiben für sich selbst? Irrtum, Ihre Texte zielen bereits auf ein Publikum. Für diesen Brückenschlag zur Leserschaft bieten sich die sprachlichen Stilmittel oder Figuren an. Der dritte Lyrik-Baustein sorgt daher für die Klarheit und Ausrichtung Ihrer Aussage.

Oft nutzen Sie Stilmittel schon intuitiv. Mit ihnen strukturieren Sie Ihre Verszeilen, die –  im Satzbau poetisch gelockert – nach einer Neuordnung verlangen. Gleichzeitig dient Ihnen das seit der Antike entwickelte Instrumentarium, Ihre Leser/innen zu lenken, wie sie Ihr Gedicht deuten sollten.

Mit Stilmitteln Schwerpunkte setzen

Zu den rhetorischen Figuren zählen alle mehr oder weniger beabsichtigten Sprachgestaltungen, die ein Textelement hervorheben und in der Wirkung betonen. Sie gliedern das Sprachmaterial meist durch Wiederholung und Gegensatz. Auf diese Weise zieht sich ein roter Faden durch das Gedicht, der den Sinnaufbau leitet. Oft überlagern sich sogar mehrere Figuren, sodass sich die Aussage an solchen Knotenpunkten intensiviert und Leserinnen und Zuhörer in den Text „zieht“.

Kein Räderspiel /
kein Wagenprellen /
kein Seiltanz mehr /
[…] [1]

Kurt Küther, 1929 – 2012

  • Am Beispiel verdeutlicht

Dreimal wiederholt Kurt Küther das Anfangswort (Anapher). Zeile für Zeile hängt er in gleicher Bauweise ein anderes Substantiv an (Parallelismus). Die losen Satzfetzen – optisch schon auffallend – kommen schnell zueinander in Bezug.

Die drei Zeilen steigern sich sogar in der Abfolge (Klimax). Der Dichter spitzt die Strophe auf das Wörtchen „mehr“ zu, das aus allem Gleichlauf herausfällt. Es verschwindet fast im massiven Block oder soll sich vielleicht – so einzeln gesetzt – gerade behaupten.

Im Gegensatz zum vorgeführten Stillstand, so kann man deuten, gab es früher wohl eine Bewegung („kein … mehr“). Der Verlust löst in der mehrfachen Wiederholung und Figuren-Kombination auch eine Emotion aus.

Doch geht es nur um Rückschau? Oder steckt im Strophenschluss „mehr“ noch eine zweite Botschaft? Dass es nämlich mehr gab. Etwas, das nicht gleichgeschaltet war. Eine Quantität, die auch zur Qualität werden kann, schwingt mit. Die Strophe bleibt nicht bei der Erinnerung, sondern öffnet den Blick für Alternativen, die beim Lesen nachdenklich machen.

Die Vielfalt rhetorischer Figuren

Rhetorische Stilmittel begegnen Ihnen auch im Alltag: Die Werbung nutzt sie, Politiker verwenden sie in ihren Reden. Sobald ein Ziel kraft Überzeugung erreicht werden soll, sind Figuren im Einsatz. Die Lyrik holt allerdings weiter aus.

Denn Stilmittel helfen Ihnen, mit wenigen Worten komplexe Zusammenhänge herzustellen. Sie inszenieren Ihren Text, damit sich die spezifische Aussage aus vielerlei Deutungsmöglichkeiten herauskristallisiert. Indem Sie Wörter und Satzteile wiederholen, tasten Sie sich in unbekanntes „Sprachland“ vor. Auf diese Weise ändern Sie gebräuchliche Wortbedeutungen, erfinden Sinnzusammenhänge.

Wenn Sie also wiederholen oder variieren, auf Gegensätze zurückgreifen, geben Sie Ihren Leser/innen Anhaltspunkte. Sie markieren eine Spur, auf der man Ihrem Text folgen und ihn verstehen kann.

  • Die rhetorischen Stilmittel in vier Gruppen gegliedert

Auf welchen Gestaltungsebenen Sie Ihr rhetorisches Werkzeug einsetzen können, zeigt Ihnen ein Überblick über die vier grundlegenden Figurengruppen: [2] Weiterführende Links zu Stilmittel-Sammlungen finden Sie am Schluss des Beitrags.

  • Wortfiguren stärken oder schwächen ein Wort in seiner Wichtigkeit für die Aussage: Nachdruck (Emphase) oder Untertreibung (Litotes)
  • Satzfiguren regeln die Position von Wort und Satzglied, halten unterschiedliche Wortverbindungsarten bereit, häufen Wörter oder sparen sie ein: Stilmittel sind die Unverbundenheit (Asyndeton) und Vielverbundenheit (Polysyndeton), die Auslassung (Ellipse), Stufenfolge (Klimax), der Gleichlauf (Parallelismus) und  die Überkreuzstellung (Chiasmus), schließlich die Umkehrung der üblichen Satzstellung (Inversion)
  • Gedankenfiguren bestimmen die Satzform, aber auch wie Sie Ihre Kernbotschaft – direkt oder verschleiernd – aufbauen: Rhetorische Frage und Gegensatz (Antithese) stehen Ihnen zur Verfügung.
  • Klangfiguren bauen auf Wiederholung. Durch Gleichlaut oder Doppelung kurzer Spracheinheiten können Sie die Versmelodie modulieren: Die Wiederholungen von Wort- und Satzteilen finden Sie am Anfang beziehungsweise Ende der Verszeilen (Anapher und Epipher), der Anlautreim (Alliteration) kann einzelne Passagen oder das gesamte Gedicht durchziehen.

Durch den Einsatz der Stilmittel Leser/innen beeinflussen

Anapher, Parallelismus und Klimax haben Sie bereits in Kurt Küthers Strophe kennengelernt. Sie können dort mit der losen Reihe der Kurzzeilen noch die Figur der Unverbundenheit hinzufügen, sowie die Ellipse, die auf alles Unwichtige im Satz verzichtet. Die Tote Zeche, die der Autor laut Gedichttitel darstellt, ist klar umrissen. Der reduzierte Satzbau passt zur Stilllegung. Beide Stilmittel beschleunigen zudem den Sprachfluss und verstärken die emotionale Wirkung.

und weiß und Schnee und mitten im Sommer /
Papptellers Spuren und Wischtuch Kufen und Tassenrand /
[…] /
…….auf weißem /
Tuch, und ach wie die Augen baden im salzigen Quell, usw. [3]

Friederike Mayröcker, *1924

Insgesamt elfmal das „und“ (Vielverbundenheit) setzt Friederike Mayröcker in ihrem Gedicht. Sie lässt die Leser/innen am Assoziationsstrom teilhaben, der – ausgelöst durch einen Pappteller – einen Augenblick reflektiert.

In der und-Verkettung unterschiedlicher wie auch gegensätzlicher Dinge entsteht eine Botschaft, die von subjektivem Empfinden getragen wird. Ihre Ausrichtung scheint sich in der Fülle der Gedanken immer wieder zu verlieren. Doch diese, durch die Figur angelegte, Offenheit lädt gerade bei der Lektüre ein, eigene Erfahrungen mit einem weiteren „und“ anzuschließen.

„ach wie die Augen“ setzt emphatisch einen Ausruf. Aber auch dieser Gefühlsausdruck relativiert sich, vor allem durch das banalisierend angefügte „usw.“ am Gedichtende.

  • Der Lyrik-Baustein, der Ihrem Gedicht zu wirkungsvoller Struktur verhilft

Wollen Sie Ihre Leser/innen in Stimmung versetzen, einen Dialog anregen? Möchten Sie schockieren? Soll Humor zum Ziel führen? Ob Sie Ihr literarisches Gegenüber subtil beeinflussen oder – mit Fragen beispielsweise – direkt ansprechen, – ein reicher Fundus an Figuren wartet auf Sie, um die Wirkung Ihrer Aussage zu steuern:

Zikade zuwenig? Zikade zuviel? /
Wer zählt die Stimmen /
………………………………….unterm Basalt /
im Geröll in den Sümpfen /
in den Savannen die Stimmen /

[…] [4]

Hans Magnus Enzensberger, *1929

Anapher und Klimax, die gerne mit Parallelismus einhergehen, gehören zu den meistverwendeten Figuren. Die  Satzanfänge können sich dabei ebenso innerhalb einer Zeile wiederholen.

Auf zweifach „Zikade“ folgt allerdings ein Gegensatz („zuwenig … zuviel“), der in dieser Verdichtung zu einer Stellungnahme auffordert. Ob das in der fest verfugten Ausgangslage gelingt? Denn Enzensberger verschmilzt die Doppelfrage mit dem  Anlaut Z zu einer Klangeinheit, die sich über die Anfangszeile hinaus fortsetzt und mit S/St variiert (Alliteration): Die Zikaden sind deutlich zu hören.

Um „Stimmen“ geht es auch am gleich endenden Versschluss (Epipher). In der Wiederholung verändert sich die Stellung im Satz (Inversion) und zieht eine leichte Überkreuzung (Chiasmus) – einmal „Stimmen“ in der Satzmitte, dann am Satzende – nach.

Unser Blick richtet sich an diesen auffällig gesetzten Worten und Stellen anders aus: Wir folgen den Zeilen nicht nur von links nach rechts, vorwärts oder rückwärts, sondern „verweben“ den Text in Querverbindungen. So entstehen Hinweise auf eine Deutung. Die komplex vermittelte Situation wird transparent, und es eröffnen sich Perspektiven, die neue Wort- und Sinnzuordnungen zulassen.

  • Quellenangaben und Links zu Stilmittel-Sammlungen

[1] Tote Zeche. Küther, Kurt: Ein Direktor geht vorbei. Peter Hammer, 1974, S. 45
[2] Vgl. Braak, Ivo: Poetik in Stichworten. 8. Auflage. Ferdinand Hirt, 2001, S. 53
[3] auf einen Pappteller. Mayröcker, Friederike: Mein Arbeitstirol. Suhrkamp, 2003, S. 82
[4] Zikade. Enzensberger, Hans Magnus: Verteidigung der Wölfe. [Gedichte. 6 Bände in Kassette]. Suhrkamp, 1999, S. 9

www.wortwuchs.net
Übersicht in Wikipedia