Werner K. Bliß und das Monatsgedicht „restposten“

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© Georges Grondin | burningwell.org

Das erste Gedicht, das ich vor Jahren von Werner K. Bliß las, war eine Hommage an Jean Tinguely, vielmehr an dessen vielteiligen Fasnachtsbrunnen vor dem Stadttheater in Basel. Werner K. Bliß, selbst Künstler, fängt in seinem Text die unterschiedlichen Temperamente der einzelnen Wasserschöpfer und -speier ein. Er richtet den Blick zwar auf Ausschnitte, lässt aber die gesamte Anlage plastisch werden.

Im neuen Monatsgedicht von Werner K. Bliß sind es „restposten“. Sie reichen aus, dem Leser existentielle Grundgegebenheiten vor Augen zu führen. Richard Mayr, Juror dieser Januar-Runde, kommt in seiner Begründung darauf zurück.

restposten

aufbruch nach allen
seiten die letzten

geheimnisse eine
frage der zeit

die landung steht bevor
das fähnchen fröstelt schon

wir zurückgebliebene
ordnen strandgut

erwarten hochwasser

© Werner K. Bliß

Der Blick des Jurors auf das Gedicht „restposten“

Richard Mayr, Journalist und Literaturkritiker der Augsburger Allgemeine Zeitung, kam zu folgendem Urteil:

Dieses Gedicht hat es in sich, so karg es sich sprachlich beim ersten Lesen auch gibt. Diese Wendung darin ist unerhört: Erst wird dem Aufbruch der Boden unter den Füßen entzogen, weil er aufs Meer verlegt wird. Dann ist der einzige Ausblick auf das verheißungsvolle Land das Frösteln des Fähnchens. Wirklich angenehm wird es dort nicht sein. Anschließend vereinnahmt das „Wir“ den Leser und katapultiert ihn zurück an den Strand, an dem Hochwasser droht. Die Gegenbewegung ist perfekt.

Man mag sich getäuscht wähnen. Die Wendung ist aber mehr als ein artistischer Taschenspielertrick. Hinterfragt man den Anspruch dieses Aufbruchs, der ja nach allen Seiten geschieht, wirkt er so vermessen in der Totalität, dass das Bedrohliche schon immer da war. Der Leser hätte gewarnt sein können. So wird mit kargen Versen auf wenig Raum ein gewaltiges Geschehen eingefangen.

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Ob Lyrikwelt, fixpoetry oder Glarean Magazin, um einige Online-Stationen zu nennen – Werner K. Bliß setzt mit seinen Gedichten Akzente. Für mich sgehören auch die Veröffentlichungen in Katalogen dazu. Sie zeigen den Dichter in seiner engagierten Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern.
Ich freue mich sehr, Werner K. Bliß als Gewinner der Monatsgedichte anzukündigen: Herzliche Grüße nach Hausach!

Stichpunkte zur Vita von Werner K. Bliß

Werner K. Bliß, *1950, Pädagoge, schreibt Lyrik und malt, lebt in Hausach/Schwarzwald. Auslandsaufenthalt in Portugal- Deutsche Schule zu Porto – von 1985-1991.
Lyrikveröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien, Internetportalen. Ebenso in Kunstbänden, zum Beispiel:

  • Marianne Hopf, Malerei 1990 – 2008, Ausstellungskatalog Morat Institut, Freiburg, 2008.
  • Bruder Holz, Armin Göhringer, 13 lyrische Texte zu Arbeiten von Armin Göhringer, Kunsthaus Grenchen / CH, 2006
  • Vulkan Obsidian oder Schrittmacher des Erinnerns, handgeschriebene Gedichte mit originalen Grafiken, Künstlerbuch Edition Bauwagen, 2006, Herausgeber: Theo Breuer

Lesungen beim LeseLenz Hausach 2007 und bei Ausstellungen diverser Künstler

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Die vielen Klänge der Seidenstraße

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Handel auf der alten Seidenstraße

Handel auf der alten Seidenstraße

Ob auf dem Inka-Pfad oder mit der transsibirischen Eisenbahn – mit meiner Nomadenseele würde ich gern einige Traumreisen unternehmen. Auch eine auf der Seidenstraße. Auf der war ich zwar tatsächlich schon ein kurzes Stück unterwegs. Aber das war natürlich viel zu wenig, als dass es reichte :-(

So ziehe ich also weiter in Gedanken durch die fremden Länder. Ausstellungen oder Recherchen wie bei meinem Meißen-Projekt und den „Porzellan-Gedichten“ helfen mir dabei. Es ist die Vielfalt der Kulturen, die mich reizt, und wie sich auf dieser Begegnungsachse seit Jahrtausenden Formen überlagert haben und dabei befruchteten.

Die Idee der neuen Seidenstraße – Menschen mit der Musik unterschiedlicher Kulturen verbinden

The Silk Road Project habe ich über Twitter entdeckt. Yo Yo Ma ist der künstlerische Leiter des Seidenstraßen-Projekts. Er sieht in der reichen Tradition der historischen Seidenstraße die große Chance, Neues zu schaffen. Durch die verschiedenen Künste zu lernen und sich dabei näher zu kommen, weckt vor allem ein gegenseitiges Verstehen.

When we enlarge our view of the world, we deepen our understanding of our own lives. The Silk Road Project hopes to plant seeds of new cultural growth and to celebrate traditions and musical voices everywhere.

Die Musik steht im Mittelpunkt. Authentisch in ihrer Herkunft, bringt sie der Cellist Yo Yo Ma mit seinem Ensemble in internationale Konzertsäle, genauso aber auch in Museen und Universitäten. Der Nachbarschafts-Gedanke prägt sein Bildungsprogramm, wie anders auch – die Völkerverbindungen der historischen Seidenstraße wirken nach.

Every time I open a newspaper, I am reminded that we live in a world where we can no longer afford not to know our neighbors.

Wie steht es dabei um die Poesie? Sie zeigt sich beispielsweise im folgenden Liebeslied oder im Rhythmus des „Arabian Waltz“:

Auf der Website von Silkroad und auf YouTube finden Sie nicht nur weitere Beispiele dieser hoch artistischen Weltmusik aus Konzert-Mitschnitten und Aufführungen. Sie lernen auch die Mitglieder des Ensembles kennen, ihre teils ungewohnten Instrumente und erfahren noch mehr über die Mission, die die Künstler beflügelt.

Listen and Watch heißt das Motto für die Website-Besucher/innen. Es lädt sicherlich auch dazu ein, einmal live bei einer Performance dabei zu sein, um auf dieser Seidenstraße mit ihren vielen Stimmen Fremden gleich Freunden zu begegnen.