28. Mai 2010

„praep.spiele“ von Carla Capellmann – das neue Monatsgedicht für Mai

Kategorien: Projekt Monatsgedichte — Tags: — Michaela Didyk

bunte Luftballons fliegen spielerisch und darin passend zum Sprachspiel von Carla Capellmann
© wolke09429 | pixelio

Eine echte Sprachspielerin ist „themengerecht“ zur Siegerin gekürt. Wer Gedichte von Carla Capellmann liest, wird immer wieder ihre Einfälle und den Sprachwitz entdecken und bestaunen. Ein Hoch auf die leichte, sprich: erfrischende Sprache, die sehr wohl das dafür entsprechende Know-how voraussetzt. Hallo, Carla, herzlich willkommen in der Runde der Favoritinnen und Favoriten!

praep.spiele

an.spiel
sie an der bar
er an der …
___ru
_____tsc
_______ht an sie
(engl.: her) heran
(hör mal) auch ein …?

zu.spiel
blicke : hin und
her und en
passant und weg und
hin (und him)
ein auge
(zwink.er.t)
auf ein …?

auf.spiel
(let’s go) zum
wo.[vor].spiel
(bei dir / bei mir)
bei.bye
__(hey!)

foul.spiel – das wird ein

nach.spiel
ha
_(ha!)
___ben …

© Carla Capellmann

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Carmen Winter, Autorin, Publizistin und Leiterin von Schreibwerkstätten, gefällt die klare Sprache, die unkonventionell auch Satzzeichen, Fremdwörter einbezieht:

Die Urteilsbegründung der Jurorin

Spielerisch geht die Autorin des Gedichtes „praep.spiele“ mit dem Wort und mit den Zeichen um, die uns für Dichtung zur Verfügung stehen. Sie beschreibt ein Spiel, ein Liebesspiel, die Annäherung zwischen ihr (engl.: her) und ihm (engl.: him). Mit ganz wenigen Worten gelingt es ihr, eine ganze Geschichte zu erzählen. Zwei sitzen an der Bar, kommen einander näher, verabreden sich (bei dir/bei mir) und schon könnte alles vorbei sein, wenn nicht einer von beiden foul gespielt hätte und es nun ein nach.spiel geben wird. Vielleicht eine Schwangerschaft, vielleicht eine Dreiecksbeziehung.

So wie es auch im Leben manchmal nur weniger Worte und Blicke bedarf, um sich zu verabreden, braucht auch dieses Gedicht nur wenig Sprache. Sportlich ist hier der Ton mit an.spiel, zu.spiel, auf.spiel, foul.spiel und nach.spiel. Und modern sieht alles aus, internetgerecht mit Punkten und Klammern. Aber – das Ende ist klassisch und wird schon seit Jahrhunderten immer wieder bedichtet, aus dem Spiel wird Ernst. Beim Gedicht „praep.spiele“ bleibt einem zum Glück nicht das Lachen im Halse stecken. Es behält seine spielerische Leichtigkeit von der ersten bis zur letzten Zeile. Und lockt ein Lächeln auf die Lippen, wenn es laut vor Publikum gelesen wird, bestimmt auch ein Lachen.

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„Wie Du sehen wirst, kann ich einfach nicht geradeaus schreiben„, kommentierte Carla Capellmann ihre Vita, die sie mir mailte. Ich finde, sie passt bestens, und sie macht in der Einheit mit dem Gedicht die Vorstellung rund.
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vita von carla capellmann

geboren 1963 / jülich / lebt in / königswinter / schreibt / veröffentlichungen in
literatur / zeitschriften & anthologien / dritter // preis // bei den literaturtagen
rheinland-pfalz 2009 / mitarbeit im: redaktionsteam der eXperimenta /
gemeinsamer // lyrik // band mit anne mai : wortlose // gedichte // die : von einem
losungswort / ausgehen / sich von ihm / entfernen es um / kreisen um / am ende
zu ihm zurückzukehren / athena-verlag 2010
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Was Sie beim Dichten generell mit einem Buchstabenspiel auslösen und woran das liegt, erfahren Sie mit diesem Link:

 


12. April 2018

Dichten, ganz praktisch: Ihre Wortkunst im Blick

Kategorien: Schreibimpulse — Tags: , — Michaela Didyk

Federwelt Schreibimpuls Wortkunst Unternehmen Lyrik - Foto Alte Schreibmaschine auf türkis verblichenen Planken | c jakkapan depositphotos_181861116

© jakkapan / depositphotos

Nehmen Sie bei Dichten, ganz praktisch Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen

In der aktuellen Federwelt (Nr. 129 April/Mai 2018) geht es mit dem zehnten Lyrik-Baustein weiter. Dort steht Ihre Leserschaft im Mittelpunkt. Um zu wissen, wie Sie Ihr Publikum erreichen, hilft zunächst die Bestandsaufnahme: der Blick auf Ihr eigenes Schreiben.

„du kannst es nicht zählen, nicht fertig / benennen, das Gedicht ist ein Sieb, / in die Fremde gehalten […]“ *. Wie Ron Winkler (geb.1973) reflektieren Autor/innen seit Jahrhunderten ihre Wortkunst und suchen eine Antwort,

  • was ihnen das Schreiben bedeutet,
  • wie Verse entstehen oder
  • was Dichtung bewirkt.

Schließen Sie sich dieser Tradition an. Beziehen Sie in einem Gedicht Stellung zu Ihrem lyrischen Schaffen, indem Sie eine der drei Fragen aufgreifen.

* Winkler, Ron: kleine maritime poetik. In: vereinzelt Passanten. kookbooks 2004, S. 48

Übrigens: Wie Sie Ihren Leser/innen weiter auf die Spur kommen können, verrät Ihnen der Federwelt-Artikel auch mit einem Extra-Download. Holen Sie sich im Magazin den Link :-)



→ Möchten Sie das Ergebnis Ihrer Arbeit Anke Gasch, der Chefredakteurin der Federwelt, schicken? Das können Sie gern hier gleich mit Klick per Mail tun – Sie haben bis zum 20. April 2018 Zeit.

PS : Schicken Sie bitte Ihr Gedicht direkt an Frau Gasch. Nochmals die Adresse sichtbar zum Notieren: anke.gasch@federwelt.de


Was Sie mit der Reflexion über Ihr Schreiben bei Dichten, ganz praktisch erreichen können:

Ich wähle aus den eingegangenen  Texten, die mir Anke Gasch anonym weiterleitet, ein Gedicht aus. Dieser Favorit wird in einer der nächsten Ausgaben der Federwelt veröffentlicht.**

Als „Lohn“ dafür erhalten Sie meine Impulsreihe Lyrik auf Alltags-Kurs. Dieser E-Mail-Kurs inspiriert Sie einen Monat lang zum regelmäßigen Dichten. Er eröffnet Ihnen Wege, Ihre Wahrnehmung für poetische Themen just im Alltagsgetriebe zu schärfen: Ihre Professionalität als Autor/in ist herausgefordert – und gewinnt dazu.

** Die Federwelt-Redaktion behält sich vor, lediglich Auszüge aus dem Gedicht zu veröffentlichen, sollte der Umfang Ihres Gedichtes über 1000 Zeichen inklusive Leerzeichen liegen.



Der Blick zurück auf das lyrische Ich und die Gedichtbühne zum Lyrik-Baustein 9

Werden Sie bei Dichten, ganz praktisch mit einer Allegorie zu Verwandlungskünstler/innen, so lautete der Schreibimpuls in der Federwelt Nr. 127 . Carla Capellmann hat gewonnen. Lesen Sie ihr Gedicht „all die meere / meine landschaften“ in der aktuellen Ausgabe (Federwelt Nr. 129)

Die Dichterin ist auch in diesem Blog keine Unbekannte. Carla Capellmann überzeugte mit ihren Sprachspielen bereits zweimal die Jurorinnen der „Monatsgedichte“.


1. Dezember 2017

Dichten, ganz praktisch: Malen Sie mit Worten ein Porträt!

Kategorien: Schreibimpulse — Tags: , — Michaela Didyk

dichten, ganz praktisch allegorie unternehmen lyrik portraet rudolf II. als vertumnus gemaelde arcimboldo
Giuseppe Arcimboldo: „Rudolf II. als Vertumnus“ (1591)

Werden Sie bei Dichten, ganz praktisch mit einer Allegorie zu Verwandlungskünstler/innen

Ich – drei Buchstaben von Bedeutung“ – die Unterscheidung von Autor/in und dem im Gedicht sprechenden Ich ist als neunter Lyrik-Baustein in der Federwelt Nr. 127 (Heft 6/2017) erschienen.

Die Einladung zum Federwelt-Wettbewerb Dichten, ganz praktisch ist zwar inzwischen überholt, aber der Schreibimpuls  an sich behält seine Gültigkeit. Verfassen Sie also nun zum Vergnügen und eigenen Gewinn eine Allegorie. Die spezielle Gedichtform eignet sich vortrefflich, um beide Positionen, Autor/in und lyrisches Ich, zu trennen und dabei auch Persönliches zu verfremden. Gönnen Sie sich also eine neue Identität!

Schreiben Sie ein (Selbst-)Porträt und nehmen Sie dabei Tiergestalt an oder werden Sie Pflanze. Vielleicht passt ein Instrument besser oder (mit einer Prise Humor) ein Küchenutensil? Giuseppe Arcimboldo steuert mit seinen Gemälden sicherlich weitere Ideen bei.

Heinrich von Kleist als Mentor

Ein Brief Heinrich von Kleists an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge gibt Ihnen genaue Anleitung. Denn darauf sollten Sie achten: Die Eigenschaften der Person müssen mit dem gewählten Objekt möglichst zur Deckung kommen. Den Ratschlag des Dichters finden Sie hier (→ 31. An Wilhelmine von Zenge; Brief vom 29./30. November 1800).



Und die Gewinnerin: Carla Capellmann

Carla Capellmann hat mit ihrem Selbstporträt „all die meere / meine landschaften“ gewonnen. Ihr Gedicht ist in der Federwelt (Heft 129) veröffentlicht. Wenn Sie über das lyrische Ich hinaus auch über die Autorin etwas erfahren möchten, haben Sie hier in der Vita von Carla Capellmann Gelegenheit.


  • Wenn Sie noch weitere Schreibideen suchen, dann: Zaubern Sie mit Klang! So lautete der Schreibimpuls im Federwelt-Magazin Nr. 125.
  • Johann Seidl nimmt als Sieger dieser Impuls-Runde auf Minotaurus, das stierköpfige Wesen der griechischen Mythologie, Bezug und webt daraus einen Traum voll Klang. Lesen Sie den Text in der Federwelt (Heft 127) oder hier auf der Website des Dichters: „Minotaurus“ von Johann Seidl.

[Der Beitrag wurde im April 2018 aktualisiert]