10. Januar 2015

39 Monate | 39 Schreibimpulse – eBook zu den Monatsgedichten

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Schreibimpulse, die das Dichten im Fluss halten

Das Projekt Monatsgedichte ist abgeschlossen. Dennoch hat es noch ein Nachspiel. Denn nach drei Serien mit jeweils 13 Mondmonaten ist ein eBook zu den Monatsgedichten entstanden:
39 Monate | 39 Schreibimpulse fasst im PDF-Format alle Themenanregungen der 39 Wettbewerbsrunden zusammen.

Mit der Zusammenstellung des Buchs geht mein Dank an die Autor/innen, die in ihrem Engagement und ihrem inspirierenden Austausch untereinander eine „verschworene Gemeinschaft“ entwickelten.

Nicht alle „Monatsdicher/innen“ waren bereits von Anfang an dabei. So gibt das eBook Anreiz, unabhängig vom monatlichen Rhythmus des Projekts weiterzuschreiben – drei Jahre „Stoff“ stehen zur Verfügung!

Erinnerungen weckt die Sammlung der Schreibanregungen wohl in denjenigen, die seit der ersten Runde im September 2009 regelmäßig teilgenommen haben. Zu manchem Thema lassen sich gewiss nochmals neue Texte verfassen. Wenn schließlich das eBook mit seinen Gedichtimpulsen generell Autor/innen zum zeitgemäßen lyrischen Schreiben motiviert, ist der Hauptzweck erreicht.

Lyrik auf Erfolgskurs

Auch ohne weitere Monatsgedicht-Runden bleibt die „Lyrik auf Erfolgskurs“. So lautet nämlich das Autorenförderprogramm in inzwischen modifizierter Ausrichtung. Die Schwerpunkte liegen zum einen auf der Unterstützung bei Lesung und Publikation, zum anderen auf der Arbeit an der „dichterischen Persönlichkeit“.

Die Herausforderungen des Literaturbetriebs verlangen nicht nur gute Texte und Recherche oder Information, sondern auch Zielorientierung, Strategien. Oft braucht es sogar ein Umdenken und Loslassen von „Glaubenssätzen“.

Wer in den Literaturmarkt einsteigt, benötigt Know-how, wie dieser funktioniert und wie man neue Nischen entdecken kann. Schreiben und Veröffentlichen geht damit einen Schritt weiter: Es dient nicht mehr nur dazu, sich selbst zu verwirklichen, sondern wird zum „Unternehmen“, sich im Literaturbetrieb seinen Platz zu suchen.

Als Kulturmanagerin und Autoren-Coach – letzteres habe ich in den vergangenen Jahren mit NLP und systemisch integralen Methoden vertieft – bin ich schon mitten in meinen neuen Abenteuern und freue mich, wenn ich Sie mit meinen bevorstehenden Projekten auf Ihrem lyrischen Erfolgsweg weiter unterstützen kann.

Das kostenlose eBook zu den Monatsgedichten

Mir hat es viel Spaß gemacht, für Sie das eBook zu den Monatsgedichten zusammenzustellen und zu gestalten. Dem Dank an die Autor/innen schließt sich auch der an die Juror/innen an. Ihre positive Resonanz, sogar Begeisterung für die Monatsgedichte hat mich zusätzlich motiviert, passende Themen auszuwählen und neugierig auf die lyrischen Ergebnisse zu warten.

  • 39 Monate | 39 Schreibimpulse, das eBook zum Projekt, können Sie mit dem Klick auf den roten Link kostenlos anfordern und als PDF-Datei – auf Ihren PC oder Laptop herunterladen. Sie benötigen also kein Zusatzgerät.

Viel Freude mit den Monatsgedichten als „Buch“!


Wenn Sie noch zusätzlichen Ansporn möchten, gibt es hier weitere Gelegenheit:


5. Januar 2015

Das Finale der Monatsgedichte – ein starker Auftakt im neuen Jahr

Kategorien: Projekt Monatsgedichte — Tags: — Michaela Didyk

Foto zu Monatsgedichte mit dem Motto 'Tor - Tür Ball Bogen oder Narr'
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Gabriele Lanser gewinnt mit „weißnichtwas“ die 13. Runde der Monatsgedichte

Die Schlussrunde der Monatsgedichte stand unter dem Motto „Tor – Tür Ball Bogen oder Narr“. In der Offenheit des Themas ergaben sich spannende Texte – darunter Wortspiele, Bildgedichte, die insgesamt zeigten, dass der Narr den Weg zur Weisheit kennt oder ein/das Tor gut die Schwelle zu vertieftem Sinn markieren kann. Gabriele Lansers Favoritengedicht „weißnichtwas“ irritiert; es scheint zunächst sogar die lyrischen Grenzen sprengen zu wollen.

weißnichtwas
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Monatsgedichte - "weissnichtwas" © Gabriele Lanser
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© Gabriele Lanser

Ein Gedicht, das im Dialog entschlüsselt werden will

Carmen Winter, Diplom-Germanistin, Schreibwerkstättenleiterin und Autorin aus Frankfurt (Oder), war in dieser Monatsgedichte-Runde Jurorin. Sie lässt in Ihrer Urteilsbegründung gut erkennen, wie der Dialog zwischen Leser/in und Gedicht verlaufen kann.

Weißnichtwas
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Das ist doch kein Gedicht!
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Vielleicht, vielleicht ist es kein Gedicht. Es sieht jedenfalls nicht so aus, wie ein Gedicht. Es ist ein Block, ein Stein, ein Mauerwerk, abgeschlossen rechts und links und oben und unten mit geraden Zeilenrändern. Kein Flattersatz. Kein Satz flattert in diesem Text. Jeder Satz ist wohlgesetzt und jedes Wort. So gehört sich das in einem Gedicht. Es muss dicht sein.
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Aber wo ist die Lücke, die mich in den Text einlässt? Hallo, ich bin‘s, der Leser, rufe ich und klopfe zaghaft. Dann trete ich einen Schritt zurück und suche das Wortmauerwerk mit den Augen ab. KARL lese ich und NARR. Ist Karl ein Narr? Der Narr Immerfort? Es war im siebenten Sommer, als Karl, als der Narr, als der Vater und die Tanten und das Kind …
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So viele Figuren, das kann kein Gedicht sein. Ins Gedicht gehört ein ICH. Wo ist das ICH in weißnichtwas?
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Es hat sich heute hier neben den Leser gestellt und schaut zurück auf diesen siebten Sommer (der Leser erfährt nicht, wann die Zählung mit eins begann) das ICH schaut zurück auf das Kind, aus dem es herauswuchs und auf alles, was um Karl, den Narren sich an Gerüchten webte. Zielsicher greift das ICH in die übervolle Schale mit den Erinnerungen, greift heraus, was sich dicht weben lässt zu einem Gedicht. Wenn ich als Leser den Faden verfolgen will, muss ich aufmerksam lesen, dann öffnet sich Zeile um Zeile, dann sehe ich das Kind und den Narren und das tiefrote Laub des Kirschpflaumenbaumes, ich höre die Tuschler und das Rabengeschnarr. Ganz deutlich wird alles für einen Augenblick. Für den Augenblick, den es dauert, dieses Gedicht zu lesen, noch einmal und noch einmal, bis es sich ganz erschlossen hat und doch ein Geheimnis für sich behält. Was ist es? Ich weiß nicht was.

Ein Text, der „mehr [weiß] als sein Autor“ und in der Offenheit seine Leser erreicht

In ihrer Frankfurter Poetik-Vorlesung spricht Hilde Domin vom „gefräßigen Gedicht“, das sich zunächst den Autor, dann den Leser einverleibt. Dadurch bleibe es lebendig und könne eigenständig in die Welt hinaus. An der Nahtstelle zwischen Carmen Winters Urteilsbegründung und dem folgenden Statement Gabriele Lansers passt dieses Bild Domins exakt. Das Gedicht geht seine eigenen Wege und bewahrt sich ein Geheimnis, das zum wiederholten und darin immer auch neuen Lesen verleitet.
Einen herzlichen Glückwunsch an Sie, liebe Frau Lanser! Ich freue mich sehr, dass Ihr Gedicht die Reihe der Monatsgedichte mit einem so starken Akzent beschließt.
Und hier nun die Vita der Gewinnerin und ihre Gedanken zum Schreiben:

Fakten und Zahlen
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Gabriele Lanser: 1950 geboren in einem Dorf am linken Niederrhein / mit Kartoffelfeuern, Kopfweiden, Märchen, dem rechten Glauben und Aberglauben und den gebundenen Ausgaben der Gartenlaube groß geworden / 1968 Lehramtsstudium in Aachen: Mathematik / Kunst / Religion / später Fernstudium „Literarisches Schreiben“ / verheiratet / drei Kinder / mit Leidenschaft berufstätig bis 2011 / die letzten 15 Jahre Schulleiterin einer integrativen Grundschule am Wohnort Nettetal-Hinsbeck
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Veröffentlichungen seit 1984: Fachbeiträge Pädagogik im Cornelsen und Friedrich Verlag / Kinder- und Lesebuchgeschichten erschienen im Klett-Verlag / Lyrik und Kurzprosa seit 2008 / erste Veröffentlichungen 2011 in Anthologien und Zeitschriften / zuletzt: Prosa im Geest-Verlag und Lyrik in „Asphaltspuren“
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Gedanken zum Schreiben
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Schreiben gehört seit je in unterschiedlicher Intensität zu meinem Leben dazu. Ob Fachtexte im Bereich Pädagogik, Kindergeschichten, Kurzgeschichten oder Lyrik, immer ist das Schreiben für mich ein wunderbar ernstes Spiel mit der Welt, dem Wort und mir. Und wer in diesem Prozess wem die Feder führt, ist ebenso spannend wie offen. Am Ende weiß jeder Text mehr als der Autor. Am Ende gibt der Autor den Text frei und er gehört dem Leser und der belebt ihn neu.
Das Gedicht für mich immer ein Gemachtes, der Schreibprozess ein lustvoll konzentrierter. Am Ende sollte in diesem TextKörper ein Herz schlagen: ob leise oder laut, der Leser sollte es hören können, auch sein Stocken. Dieser Herzschlag kennt keine Angst, nicht die vor dem Pathos, nicht die vor dem Kitsch, nicht vor dem ICH, nicht vor Bekenntnissen. Er ist sich seiner sicher und überschreitet die Grenzen, schlägt sich an allen Überwachungsposten vorbei. Das Gedicht wird in seinem Herzschlag greifbar und angreifbar. Es geht über dünnes Eis.

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Das Projekt Monatsgedichte ist nach dieser dritten Serie abgeschlossen. Sie finden alle Monatsgedicht-Impulse im eBook 39 Monate | 39 Schreibimpulse gebündelt.

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15. Februar 2014

Birgit Petri und Diana Jahr stellen die zwei Monatsgedichte für Februar

Kategorien: Projekt Monatsgedichte — Tags: — Michaela Didyk

Zwei Monatsgedichte von Birgit Petri und Diana Jahr - Thema Augenblicke - Paul Klee: Katze und Vogel

Paul Klee: Katze und Vogel (1928)

Diana Jahr und Birgit Petri gewinnen die Runde mit dem Motto „Augenblicke“

So kurz der Februar ist – es gibt in diesem Monat zwei Gewinnerinnen und zwei Monatsgedichte zum Thema „Augenblicke“. Jurorin Augusta Laar hat sowohl Diana Jahr als auch Birgit Petri auf das Siegerpodest gehoben. Herzlichen Glückwunsch an die beiden Lyrikerinnen, deren Gedichte „/deinen augen/“ und „hautnah“  zum Favoriten gekürt wurden.

/deinen augen/

dieser moment – ein sog
je weiter du liest
desto länger die sekunde
in deinen augen
flackert der himmel
ein lid – strich
zwischen den worten
keine zeit, nur raum
zu deiner landschaft
fließt mein blick
(jahrelang) in deinen
bis das gedicht
verschwimmt, und dann
beginnt es von vorn

© Diana Jahr

hautnah

fern bezeugt das licht
der sterne
vergangenheit
für uns
gefügt
in bilder ultraviolett
bis infrarot

nah spürt eine hand
auf meinem bauch
die rege zukunft
für uns
bezeugt
von linien und kreisen
im ultraschall

in mir zerreißt
ein blitz vom brunnengrund
den augenblick
für mich
geschützt
vor konservierungstechnik
in deiner hand

© Birgit Petri

Augusta Laar ist Autorin, Künstlerin, Musikerin und Leiterin des Schamrock-Festivals der Dichterinnen in München und Wien. In ihren vielfältigen Rollen der Lyrik eng verbunden, begründet die Jurorin ihre Wahl:

Zwei Monatsgedichte und Augusta Laars Kommentare

„Die Zeit gehört mir – so lange ich diese Kirschen esse.“
Alfred Andersch, Die Kirschen der Freiheit

Für mich gibt es zwei gleichrangige Siegertitel, daher müssen sich beide Gedichte diesen Platz teilen.

Der Augenblick als gelebtes, lebendiges Zeitfenster, das im Lesen und durch den Lesenden entsteht | Diana Jahr

Das Gedicht „/deinen augen/“ versucht etwas Experimentelles, indem es nicht nur den Augenblick beschreibt oder dessen Wirkung, sondern diesen selbst zum Gegenstand des Gedichts macht, ihn in das Gedicht hineinverstrickt, als gelebtes, lebendiges Zeitfenster, das im Lesen und durch den Lesenden entsteht. Der Titel ist bereits Programm, das Gedicht entsteht in „deinen augen“. Es sagt: „dieser moment – ein sog“, und beginnt mich in seinen Sog hineinzuziehen und mein persönlicher Augenblick zu werden, indem ich das Gedicht lese. Und wenn es zu Ende ist, dann beginnt es von vorn, als neuer Prozess.

Was mir wichtig ist an einem Gedicht, ist hier getroffen. Es überrascht mich. Mit seiner freien komplexen Form wirkt es wie eine offene Skulptur, der Blick fängt sich in ihm und wandert durch es hindurch, kommt an als ein anderer, ein Augenblick der Freiheit entsteht.

Eine poetisch philosophische Untersuchung der Zeit und Qualität von Augenblicken | Birgit Petri

Das zweite Gedicht meiner Wahl hat den Titel „hautnah“, eine poetisch philosophische Untersuchung der Zeit und Qualität von Augenblicken, in drei Strophen mit jeweils sieben Versen. Es spricht zuerst vom Licht, von der Vergangenheit des Lichts, das als Sternenlicht bei uns ankommt, „ultraviolett bis infrarot“, trügerisch nah, aber von weit her. Die zweite Strophe handelt von Nähe als Ereignis im eigenen Körper, „die rege zukunft“, ein Kind wächst im Bauch, „bezeugt / von linien und kreisen“. Die letzte Strophe spricht vom Jetzt, von der Naturgewalt der Geburt als Geburt des Augenblicks, als „blitz vom brunnengrund“, der sich nicht einfangen lässt und sich „schützt“ vor dem Zugriff der Kamera.

Die Anfänge der drei Strophen sind jeweils leitmotivisch besetzt mit den Wörtern „fern“, „nah“ und „in mir“. In der letzten Strophe wird eine Steigerung sichtbar durch die längere zweite und vorletzte Verszeile, so gibt die Autorin nicht nur inhaltlich das Gewicht auf die Aussage des Jetzt. Das gesamte Gedicht als Zeitspange eines Lebens in Augenblicken. Form und Inhalt entsprechen sich. Das Rätselhafte von Zeit und ihrer Wahrnehmung bleibt offen.

Vielen Dank an die Autorinnen für diese Augenblicke.

Wer „steckt“ nun hinter den Zeilen der zwei Monatsgedichte für Februar? Die beiden Lyrikerinnen stellen sich in ihren Kurzporträts vor:

 Diana Jahr

geboren 1970 in Dortmund, lebt heute im Westerwald. Sie hat eine abgeschlossene Lehrerausbildung (Primarstufe für Deutsch und Musik). Schon als Kind hat sie erste Gedichte verfasst, die Literatur im Allgemeinen und Lyrik im Besonderen begleiten sie seit eh und je. Seit 2008 schreibt sie „ernsthaft“, das heißt für die Öffentlichkeit, vor allem Lyrik, aber auch Prosa.

„Ich atme Worte – liebe das Spiel mit ihnen, jongliere, schmecke & rieche sie. Ich möchte mit Worten berühren.“

Literarische Veröffentlichungen finden sich in Diana Jahrs Blog verssprünge sowie in Lyrikzeitschriften („Federwelt“, „Kaskaden“, „Wortschau“) und Anthologien. Im März 2012 hat die Autorin (zusammen mit Stephanie Simon) die Lyrikanthologie „Lichtbruch – die dunkle Seite des Lebens“ (Edition Thaleia) herausgegeben. Lesungen fanden in Duisburg und Dortmund statt.

Weitere Meilensteine:
Eine Veröffentlichung im „Dichtungsring“ (Bonn) sowie die 2017 im Schillo-Verlag erschienene Anthologie „Herzweise. 100 Gedichte der Gegenwart“, in der Diana Jahr mit 20 Beiträgen vertreten ist.

Birgit Petri

1976 in Leipzig geboren, in Geschichte der Mathematik promoviert, lebt in Darmstadt.
Sie sucht Gedichtpartikel inmitten von Ein- und Ausdrücken, möchte zwischen abstrakten Konzepten und unmittelbaren Empfindungen Brücken bauen – und auf deren Geländern tanzen.

Erste poetische Versuche von Birgit Petri erschienen 1999-2001 in den Zeitschriften „dito“ und „kritsch“.

 

Der Artikel wurde im November 2017 ergänzt.