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	<title>Unternehmen Lyrik</title>
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		<title>Marion Röckinghausen: &#8220;der kleine Schlaf&#8221; &#8211; Monatsgedicht für Mai</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 08:43:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[André Schinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Marion Röckinghausen]]></category>
		<category><![CDATA[Versunkene Welten]]></category>

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		<description><![CDATA[„Versunkene Welten“ war die Monatsgedicht-Runde für Mai überschrieben. Favoritin ist Marion Röckinghausen, die in ihrem Gedicht mehrfach perspektiviert Vergängliches ans Licht holt: der kleine Schlaf ein Löwenmaul ein Grab ein Schweigen ein Angesicht ein Augenblick im Weiß des Herbstes ein Verweilen auf rotem Laub ein Missgeschick der überreifen Früchte Abend der Sinn im Unsinn – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Versunkene Welten“ war die Monatsgedicht-Runde für Mai überschrieben. Favoritin ist Marion Röckinghausen, die in ihrem Gedicht mehrfach perspektiviert Vergängliches ans Licht holt:</p>
<blockquote><p><strong>der kleine Schlaf</strong></p>
<p>ein Löwenmaul ein Grab ein Schweigen<br />
ein Angesicht ein Augenblick<br />
im Weiß des Herbstes ein Verweilen<br />
auf rotem Laub ein Missgeschick</p>
<p>der überreifen Früchte Abend<br />
der Sinn im Unsinn – greifbar nah<br />
im Traumgesang der Lerche schlafend<br />
ein Heut ein Hier ein Ist ein War</p>
<p>im Pinselstrich der Lüge Ende<br />
ein Tropfen wie als Punkt gesetzt<br />
vorbei – Geschichte wird Legende<br />
ein Löwenmaul mit Tau benetzt</p>
<p>© Marion Röckinghausen</p></blockquote>
<p><a href="http://www.poetenladen.de/andre-schinkel-person.html">André Schinkel</a> war Juror des zehnten Monatsgedichtes. Der Autor und Lektor aus Halle, der u.a. die Redaktionsleitung der Literaturzeitschrift <a href="http://dr-ziethen-verlag.eshop.t-online.de/Sortiment/Ort-der-Augen">„oda &#8211; Ort der Augen“</a> inne hat, begründet sein Votum wie folgt:</p>
<blockquote><p>Zugegeben, dieses Gedicht reibt sich an einem großen Vorbild – Benn in seiner Rückzugs-Phase, es nimmt im Ton die Gestik von „Ein Wort“ auf und variiert die Benn’sche Blumen-Metaphorik zu einem durchaus ambivalent aufzufassenden Löwenmaul hin. Es konterkariert zudem die vorgebliche poetische Regung unserer Zeit, mit der selbsternannte Lyriker aus Unkenntnis der Zusammenhänge de facto Anti-Lyrik betreiben. Man höre noch immer das weltliche Gekicher angesichts gereimter Gedichte – als resultierte nicht jede Befreiung aus dem Metrum zuvor aus einer Überwindung von Strenge. Die Verfasserin des „kleinen Schlafs“ beweist, indem sie etwas in den Augen Vieler Überkommenes aufgreift, Mut und vor allem eine Kraft der Beharrlichkeit, die auch etwas von Reverenz, Respekt vor der Dichtkunst in sich trägt. Mit Epigonentum hat dies jedoch nichts zu tun, man sieht das u. a. im durchaus eigenwilligen Gebrauch (oder Nichtgebrauch) der Interpunktion im Text, in der Traute, sich dem Wagnis teils nicht ganz reiner Reime auszusetzen. Beachtlich die zielstrebige Dynamik im Gedicht, die etwas Rondellhaftes hat und ein menuettartiges Ende baut, das frappierend das Erhabene im Mikrokosmos aussetzt: „vorbei – Geschichte wird Legende / ein Löwenmaul mit Tau besetzt“. Dieser Kosmos besteht aus Werden und Vergehen, die Lyrik ist, so man sie ernst nimmt, prädestiniert für derlei ‚letzte Dinge‘. Die Metaphern dafür sind zweischneidig und paradox: der Sinn wird bereits im Unsinn gespiegelt; das Löwenmäulchen übersteht die Geschichte, die, wie alles, im Rachen des Raubtiers verschwindet. „Grab“ und „Schweigen“ wohnen darin genauso wie das vitale Glitzern des Taus, sei es, dass er sich auf den Blättern der Pflanze oder auf den Lefzen des Mantikors findet. Der Schlaf als Bote des Sinkens, das Leuchten als flüchtiges Aggregat der Dunkelheit, die kommen wird. Indes, welch Trost zugleich, diesen Umstand der Welt wenigstens zeitweise bei Licht besehen zu dürfen. Es unterscheidet uns von den Steinen. Im Glücksfall kreuzt sich an diesem Punkt das Zeitliche mit dem Überzeitlichen – und es entsteht ein schönes, ein würdiges Gedicht.</p></blockquote>
<p>Marion Röckinghausen, die schon in der ersten Monatsgedichtserie mit „kneipengeheimnis“ eine Runde für sich entscheiden konnte, braucht &#8220;das Schreiben wie die Luft zum Atmen&#8221;. Gedichte um sich, ob als inspirierende Buchlektüre oder auf eigenen Manuskriptseiten, und selbst mittendrin ins Schreiben versunken &#8211; das ist der Gewinnerin daher ein vertrauter Zustand.</p>
<blockquote><p>Eine erste Vita der 1952 geborenen Bankkauffrau und Betriebswirtin finden Sie bereits <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/2010/02/27/monatsgedicht-februar-kneipengeheimnis-von-marion-rockinghausen/">hier</a>. 2011 sind weitere Lesungen in Wien sowie im Radio dazugekommen. Ein Lyrikband ist im Entstehen, zu dem der neue Erfolg hoffentlich noch eine Extraportion Schwung bringt <img src='http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /><br />
Einen herzlichen Glückwunsch an Dich, Marion, nach Marburg!</p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span><br />
Die Juni-Runde der Monatsgedichte ist der Kunst gewidmet. &#8220;Gedichte auf Bilder und Skulpturen&#8221; sind dieses Mal gefragt, die Wiener Verlegerin Viktoria Frysak hat die Jury übernommen. Die Ausschreibung können Sie <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-11-gedichte-auf-bilder-und-skulpturen/">hier herunterladen</a>, die Details zum Projekt Monatsgedichte generell erfahren Sie <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/">hier</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>&#8220;Hey Ariadne&#8221; &#8211; Jörg Wiedemann stellt das Monatsgedicht für April</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/04/07/hey-ariadne-jorg-wiedemann-stellt-das-monatsgedicht-fur-april/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 13:36:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Ter-Nedden]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Wiedemann]]></category>
		<category><![CDATA[Labyrinth]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Mythen- und Sagenbände waren in meiner Kindheit immer die dicksten Bände im Regal und gern verschwand ich lesend für Stunden in einer anderen Welt. Jörg Wiedemann zeigt, dass aus langen Geschichten auch kurze Texte werden können und dennoch alle Fülle enthalten ist. Frech kommt da sein Anfang, wenn er Ariadne freundschaftlichen Rat gibt. Hey [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mythen- und Sagenbände waren in meiner Kindheit immer die dicksten Bände im Regal und gern verschwand ich lesend für Stunden in einer anderen Welt. Jörg Wiedemann zeigt, dass aus langen Geschichten auch kurze Texte werden können und dennoch alle Fülle enthalten ist. Frech kommt da sein Anfang, wenn er Ariadne freundschaftlichen Rat gibt.</p>
<blockquote><p>Hey Ariadne<br />
wirf dein Wollknäuel<br />
in die Meute<br />
streunender Katzen zer</p>
<p>beiß die Ordnung zer<br />
kratz das blanke Gesicht<br />
der Antwort nimm<br />
den Plan auf die Hörner und komm</p>
<p>lass uns mal wieder<br />
gegen Mauern laufen ver<br />
irrt in der eigenen<br />
Wohnung ver<br />
strickt ins Spiel weglos ins<br />
Rätsel (Du weißt ja: Alle Kreter lügen) der</p>
<p>Weingott reicht dir<br />
den Becher Ariadne los zer<br />
schneid alle Fäden<br />
und lass Theseus die dunklen<br />
Segel hissen.<br />
<span style="color: #ffffff;">.</span><br />
© Jörg Wiedemann</p></blockquote>
<p>Barbara Ter-Nedden war Jurorin der &#8220;Labyrinth&#8221;-Runde. Die engagierte Inhaberin der <a href="http://www.parkbuchhandlung.de/">Parkbuchhandlung</a> und Literaturveranstalterin, die neben ihrer erfogreichen Lesereihe im vergangenen Jahr auch den <a href="http://www.parkbuchhandlung.de/?page_id=1164">Bad Godesberger Literaturwettbewerb</a> ins Leben gerufen hat, kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>Das Gedicht besteht aus einer Sequenz von Apostrophen, die an Ariadne gerichtet sind, die hier gleichsam als Muse des Labyrinthischen fungiert. Ariadne, die Tochter des Königs Minos, hatte sich in den griechischen Helden Theseus verliebt, und ihm geholfen, den im Innern des Labyrinths von Knossos auf Kreta hausenden Minotaurus zu töten. Mit Hilfe des von ihr selbst gesponnenen roten Fadens hatte er den Weg zurück aus dem Labyrinth finden können. Das Paar floh auf die Insel Naxos, wo der Gott des Weins Dionysos sich in Ariadne verliebte. Theseus verließ Ariadne und segelte zurück nach Athen. Weil er vergessen hatte, die schwarzen Segel durch weiße auszutauschen, stürzte sich sein Vater Aegeus ins Meer, in der Meinung, sein Sohn sei auf Kreta umgekommen. Das ist das mythische Material, das hier zu einer spielerischen Abfolge von Vorstellungen anregt, die alle darauf hinauslaufen, sich der Erfahrung des Labyrinthischen auszusetzen, also den roten Faden der Ariadne reißen zu lassen. Das Wollknäuel verbindet sich mit dem Bild der Katzen, die den Faden im Spiel zerreißen, die Ordnung zerbeißen und eine Abfolge analoger Zerstörungen und Verirrungen assoziieren lassen: das Zerkratzen des blanken Gesichts der Antwort, das Auf-die-Hörner-Nehmen des Plans, der Lauf gegen die Mauern, das Verirren in der eigenen Wohnung, und der spielerische Weg in die logische Aporie, also in die Weglosigkeit, für die der Satz des Kreters Epimendes, dass alle Kreter lügen, einsteht. Das anspielungsreiche- und geistreiche Spiel der Assoziationen endet mit der Rückkehr zum mythischen Ursprung: Das labyrinthische Leben ergibt sich dem Rausch und endet im Tod.</p></blockquote>
<p>Einen herzlichen Gruß schicke ich nach Berlin, wo ich Jörg Wiedemann vor kurzem persönlich kennenlernen konnte. Nicht nur die Liebe zu Mythen, sondern auch die zu (kilo)meterlangen Buchregalen teilen wir. <img src='http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<blockquote><p>Für Jörg Wiedemann gilt die magische Formel, dass aller guten Dinge drei sind. Seine &#8220;dritte Vita&#8221; besteht daher in den Verweisen auf seine frühere <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/2010/06/25/jorg-wiedemann-kreditunwurdige-farbspritzer-auf-einer-kohlezeichnung-monatsgedicht-juni/">Favoritengedichte</a>, mit denen er zwei andere Jurorinnen schon überzeugte. Dort finden Sie auch sein <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/11/10/unflugfahig-von-jorg-wiedemann-monatsgedicht-fur-november/">Statement</a> zum eigenen Schaffen.</p></blockquote>
<p>Das Monatsgedicht für Mai steht unter dem Motto <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-10-versunkene-welten/">&#8220;Versunkene Welten&#8221;</a> André Schinkel, freier Autor, Germanist und Archäologe steht als Juror der zehnten Runde zur Verfügung. Sie haben bis 21. April 2012 zum Posten Zeit. Informationen, auch wenn Sie neu zum Projekt dazukommen möchten, finden Sie bei <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/">Unternehmen Lyrik</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;flieg gedanke – va, pensiers, sullali dorate&#8221; &#8211; Gerda Steger stellt das Monatsgedicht für März</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/03/07/flieg-gedanke-%e2%80%93-va-pensiers-sullali-dorate-gerda-steger-stellt-das-monatsgedicht-fur-marz/</link>
		<comments>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/03/07/flieg-gedanke-%e2%80%93-va-pensiers-sullali-dorate-gerda-steger-stellt-das-monatsgedicht-fur-marz/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 21:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Grünfelder]]></category>
		<category><![CDATA[Gerda Steger]]></category>
		<category><![CDATA[Verwehrtes Glück]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ein Tag ohne Poesie ist ein verlorener Lebenstag!&#8221;, heißt es für Gerda Steger, die Gedichte nicht nur liest, schreibt und vorträgt, sondern sich auch in ungewöhnlichen Aktionen für die Poesie einsetzt. So steht für die Dichterin nicht nur manches Gartenfest unter lyrischem Motto, sondern macht sie schon auch mitunter &#8211; ein entsprechend beschriftetes Schild umgehängt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ein Tag ohne Poesie ist ein verlorener Lebenstag!&#8221;, heißt es für Gerda Steger, die Gedichte nicht nur liest, schreibt und vorträgt, sondern sich auch in ungewöhnlichen Aktionen für die Poesie einsetzt. So steht für die Dichterin nicht nur manches Gartenfest unter lyrischem Motto, sondern macht sie schon auch mitunter &#8211; ein entsprechend beschriftetes Schild umgehängt &#8211; als &#8220;wandelndes Gedicht&#8221; am Tag der Lyrik auf die geliebte Wortkunst aufmerksam. Für &#8220;Verwehrtes Glück&#8221;, das Thema dieser Monatsgedicht-Runde, griff Gerda Steger auf ein Zitat aus Giuseppe Verdis &#8220;Gefangenenchor&#8221; zurück:</p>
<blockquote><p><strong>*flieg gedanke – va, pensiers, sullali dorate</strong></p>
<p>stacheldraht zähne<br />
in erstarrten augen<br />
blut gefroren<br />
die kanäle – <strong>warum</strong></p>
<p>kniet hilflosigkeit<br />
zerstückelt, fesseln<br />
ketten die skelette<br />
die barfüßigen<br />
ohne boden – <strong>warum</strong></p>
<p>hungerblind, dämpft satt<br />
gestanknebel die zellen<br />
haut eis nägelritze — why<br />
waterboarding – <strong>warum</strong></p>
<p>in der bucht<br />
karibischer nächte<br />
der himmel fiel<br />
ins gras?</p>
<p><em>* Giuseppe Verdi, Nabucco – der „Gefangenenchor“</em></p>
<p>© Gerda Steger
</p></blockquote>
<p><a href="http://www.literaturfelder.com/">Alice Grünfelder</a>, Literaturvermittlerin, Lektorin und Übersetzerin aus Zürich, die als Sinologin auch längere Zeit in Asien und China lebte, kennt die Herausforderung politischer Dichtung, wie sie gerade beim März-Thema gefragt war:</p>
<blockquote><p>Wohin soll der Gedanke nur fliegen, wenn ein Stacheldrahtverhau den Blick in den Himmel verwehrt? Mit vier Fragen enden die vier Strophen, und mit jeder einzelnen steigert sich die Verzweiflung. Als könne die Anrufung des Universums in einer „karibischen“ Nacht eine Überlebensstrategie sein, mit letzter Willenskraft aufgeboten.<br />
„Politik und Lyrik, geht das überhaupt zusammen?“, fragten sich unlängst Lyriker bei einem Treffen in Zürich. Die Gefahr des Plakativen lauere in jeder Zeile, Worte würden für politische Ziele instrumentalisiert, jeder Lyriker, der sich diesen ungleichen Zwillingen stelle, laufe Gefahr, Plattitüden und Stereotypen in allzu offensichtliche Verse zu zwängen.<br />
Und dennoch gibt es immer wieder Zeiten, in denen sich Lyriker bemüßigt fühlen, das Wort zu ergreifen – sei es wegen eines gewissen Unbehagens, sei es wegen gewaltiger politischer Misstände so wie im Gedicht „flieg gedanke“, das ich gewählt habe, weil mir die Bilder nicht mehr aus dem Kopf gingen.<br />
Könnte sich der Krieg in der ersten Strophe noch irgendwo irgendwann zugetragen haben, zeugt die zweite Strophe bereits vom Leid eines Einzelnen, dem der „Boden“ unter den Füßen weggezogen wurde, der in einer stinkigen Zelle seine Haut malträtiert und die Wände. Dann, in der dritten, „Waterboarding“. Ein Wort, das auf einen Schlag das Leid unter karibischem Himmel verortet. Was bleibt, ist der Gedanke, der fliegt und frei ist – auch und hoffentlich jenseits von Stacheldrähten und Foltern, möchte man hoffen.<br />
Ich fühlte mich geneigt, nach dem Blick auf den Zellenboden den Kopf zu heben ins karibische Blau. Doch nein, der Himmel fällt ins Gras. Was auch immer das bedeuten mag: sich ins Gras fallen lassen, erleichtert, oder womöglich ins Gras beißen? Die Frage nach dem Warum dieses „verwehrten Glücks“ skandiert wie das „J’accuse“ eines Émile Zola die Dringlichkeit der existentiellen Angelegenheiten, die letzten Endes ungelöst bleiben. Sollten tatsächlich da, wo Himmel und Erde sich berühren, keine Menschenrechte mehr gelten, weil die Erde sich anmaßt, über alles zu regieren?
</p></blockquote>
<p>Bei den Salzburger Festspielen 2008 lasen Vanessa Redgrave und Jürgen Flimm <a href="http://is.gd/yBd2jl">Gedichte von Gefangenen aus Guantanamo</a>. Lyrik als Mittel zum Überleben &#8211; in Gerda Stegers lyrischem Engagement ist das Verständnis für solche existentielle Notwendigkeit zu spüren. </p>
<blockquote><p>Gerda Steger, *1947 in Temeswar (Banat), Germanistikstudium – 13 Jahre als Deutschlehrerin tätig, lebt in Worms.<br />
Seit der Schulzeit schlägt ihr Herz für die Poesie, hier liegen auch die Schreibanfänge: Gelegenheitsgedichte, Berichte für eine Tageszeitung und Märchen für die deutschsprachige Kindersendung bei Radio Bukarest.<br />
Veröffentlichungen: &#8220;Lebenssteine&#8221; (2001) und &#8220;Lichtklangkaskaden&#8221; (2008). Neben diesen beiden Büchern sind lyrische Texte und Kurzgeschichten in zahlreichen Anthologien und Jahrbüchern erschienen.<br />
Seit 2001 hält Gerda Steger Lesungen in Worms und Umgebung, in Mainz; sie war mehrmals auch auf der Frankfurter Buchmesse vertreten.</p>
<p>Die neue Runde der Monatsgedichte für April widmet sich dem <strong>Labyrinth</strong>. Jurorin ist <a href="http://www.parkbuchhandlung.de/?page_id=331">Barbara Ter-Nedden</a>, Kulturveranstalterin und Inhaberin der Parkbuchhandlung in Bad Godesberg. Die Details der Ausschreibung finden Sie hier zum <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-9-labyrinth/">Herunterladen</a>. Sie können bis <strong>22. März 2012</strong> Ihre Texte im <a href="http://monatsgedichte.unternehmen-lyrik.de">Monatsgedichte-Blog</a> posten oder zum <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/">Projekt Monatsgedichte</a> auch neu dazustoßen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Spiel im Februar &#8211; Ingritt Sachse stellt mit &#8220;der letzte mensch&#8221; das neue Monatsgedicht</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/02/07/das-spiel-im-februar-ingritt-sachse-stellt-mit-der-letzte-mensch-das-neue-monatsgedicht/</link>
		<comments>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/02/07/das-spiel-im-februar-ingritt-sachse-stellt-mit-der-letzte-mensch-das-neue-monatsgedicht/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 09:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Annette Stroux]]></category>
		<category><![CDATA[Ingritt Sachse]]></category>
		<category><![CDATA[Spiel]]></category>

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		<description><![CDATA[Paul Klee hat beim neuen Monatsgedicht seine Hand mit im Spiel. Seine Zeichnung Lied des Spottvogels inspirierte Ingritt Sachse zu ihren Versen, mit denen sie die Februar-Runde gewann. Herzlichen Glückwunsch! der letzte mensch &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.zu paul klee: lied des spottvogels in seinen händen hält als machtsymbol das glockenspiel er spinnt stahlfäden sich zu harten hirngespinnsten die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Paul Klee hat beim neuen Monatsgedicht seine Hand mit im Spiel. Seine Zeichnung <a href="http://www.sikart.ch/Werke.aspx?id=13021801">Lied des Spottvogels</a> inspirierte Ingritt Sachse zu ihren Versen, mit denen sie die Februar-Runde gewann. Herzlichen Glückwunsch!</p>
<blockquote><p><strong>der letzte mensch</strong></p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</span><em>zu paul klee: lied des spottvogels</em></p>
<p>in seinen händen hält<br />
als machtsymbol das<br />
glockenspiel er spinnt<br />
stahlfäden sich zu harten<br />
hirngespinnsten die er für<br />
adlerschwingen hält und<br />
reist im goldnen glanz auf<br />
breiten schwingen durchs<br />
adlerflügeltor zur<br />
hohen wacht. nun<br />
regnets steine auf ihn<br />
erde. der graue große vogel kreischt<br />
zum mond zur nacht<br />
und lacht</p>
<p>Ingritt Sachse/ © Athena Verlag</p></blockquote>
<p>Die Jurorin für Februar war Annette Stroux, selbst Lyrik schreibend, mit der sie ihre Theaterarbeit begleitet. Nach ihren Stationen als Theaterregisseurin in München, Hamburg, Berlin, Glasgow und Edinburgh  realisiert Annette Stroux seit 1998 Theater– und Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen, darunter auch Figurentheater. Der Schwerpunkt ist das Verfassen der jeweiligen Stücke und Textvorlagen. In Annette Stroux&#8217; Urteil zum neuen Monatsgedicht wird ihr szenischer Blick deutlich:</p>
<blockquote><p>Das Gedicht „der letzte mensch“ ist ein überraschender und eigenständiger Kommentar zu Paul Klees Bild „Lied des Spottvogels“ und zum Thema „Spiel“ überhaupt.<br />
Während das Bild von Paul Klee die Konkurrenz von Mensch und Vogel bei der Klangerzeugung sowie die Überlegenheit des Vogels zu beschreiben scheint, entwirft die Autorin des Gedichts in drei sehr verknappten Momenten das Szenario einer Endwelt.</p>
<p>Es ist wie eine kleine dramatische Skizze:</p>
<p>Das Glockenspiel in der Hand des letzten Menschen ist kein Musikinstrument. Er nutzt es nicht zum Spielen, sondern nur als Vehikel für Macht- und Größenphantasien.<br />
Er sieht sich selbst als Adler im Glanze und in luftiger Höhe während doch letzten Endes nur Steine und Erde auf ihn regnen und ein unansehnlich grauer Vogel ihn unbarmherzig auslacht.</p>
<p>Das Lachen und Kreischen des Spottvogels gibt dem gesamten Gedicht im Abschluss Komik.</p>
<p>Die Sprache ist spannend und verdichtet.  Mit wenigen Worten wird eine außergewöhnliche Bildlichkeit aufgebaut, die drei szenischen Momente sind klar durch einzelne sparsam gesetzte Adjektive voneinander abgegrenzt.  Auch im Sprechrhythmus scheint sich das Phantasieren, das Abstürzen sowie das Kreischen des Spottvogels widerzuspiegeln.</p>
<p>Wenn am Ende Lachen bleibt, ist das doch eine tröstliche Perspektive! Deshalb wähle ich „der letzte mensch“ zum Monatsgedicht.</p></blockquote>
<p>Zur <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/?s=ingritt+sachse&amp;x=0&amp;y=0">Vita Ingritt Sachses</a> ist hier im Blog schon einiges gesagt <img src='http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /><br />
Ihre regelmäßigen Lesungen führen sie immer wieder nach Köln, aber auch nach Berlin und Wien. Dass die Monatsgedichte auch neue Verbindungen schaffen, zeigt ihr letzter Leseauftritt, den sie u.a. zusammen mit Monatsgedicht-Gewinnerin <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/?s=carla+capellmann&amp;x=0&amp;y=0">Carla Capellmann</a> veranstaltete. Ein kurzes Profil nochmals angefügt:</p>
<blockquote><p>Ingritt Sachse (*1946 in Bremen) lebt und arbeitet als Psychotherapeutin in freier Praxis in Bonn.<br />
1999 Veröffentlichung von Prosatexten; seit 2003 Lyrikpublikationen in verschiedenen Anthologien und Jahrbüchern. Ingritt Sachses erster Lyrikband <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html?ie=UTF8&amp;location=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2Fschatteng%25C3%25A4ngen-streut-licht-Gedichte%2Fdp%2F3898964221%3Fie%3DUTF8%26s%3Dbooks%26qid%3D1295375159%26sr%3D1-1&amp;site-redirect=de&amp;tag=sprachekultur-21&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&quot;>In schattengängen streut licht</a><img src=&quot;http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=sprachekultur-21&amp;l=ur2&amp;o=3&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; border=&quot;0&quot; alt=&quot;&quot; style=&quot;border:none !important; margin:0px !important;">in schattengängen streut licht</a> erschien 2011 im Athena Verlag. Eine Rezension lesen Sie auch in der Literaturzeitschrift <a href="http://www.am-erker.de/rez6235.php">Am Erker</a>.<br />
Im vergangenen Oktober war die Autorin zudem beim Literaturwettbewerb in Bonn-Bad Godesberg in der Endrunde und erhielt bei der Abschlusslesung der sieben ausgewählten Kandidat/innen vom Publikum den dritten Preis zugesprochen.<br />
Der Weg zur <a href="http://www.ingrittsachse.de/">Website Ingritt Sachses</a></p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span><br />
In der neuen Monatsgedicht-Runde lautet das Thema &#8220;Verwehrtes Glück&#8221;. Ein politisches Gedicht steht im Mittelpunkt. Wie zeigt sich Glück, wenn es seine eigenen Wege gehen will? Wenn es Gedankenfreiheit und uneingeschränkte Meinungsäußerung im Sinn hat? Die Kulturvermittlerin <a href="http://www.literaturfelder.com/">Alice Grünfelder</a> übernimmt für das März-Gedicht die Jury.<br />
Hier finden Sie den Link zur <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-8-verwehrtes-glueck/">Ausschreibung mit weiteren Details</a> &#8211; auch zum Herunterladen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Oliver Füglister ist mit &#8220;Unstille&#8221; Gewinner der Januar-Runde</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2012/01/09/oliver-fuglister-ist-mit-unstille-gewinner-der-januar-runde/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 23:10:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Film- und Kinogedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Greiner]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Füglister]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Januar schlägt das Pendel in die andere Richtung. Auf die Stille des letzten Monats folgt nun die &#8220;Unstille&#8221;. Beim Thema Film- und Kinogedicht hat Oliver Füglister gerade durch seinen humorvollen Einschlag die Monatsgedicht-Runde für sich entschieden. Die besten Glückwünsche gehen dieses Mal nach Basel. Rauschen. Sirren. Piepsen. Ameisenlauf Opa sitzt im Sofa und schläft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Januar schlägt das Pendel in die andere Richtung. Auf die Stille des letzten Monats folgt nun die &#8220;Unstille&#8221;. Beim Thema Film- und Kinogedicht hat Oliver Füglister gerade durch seinen humorvollen Einschlag die Monatsgedicht-Runde für sich entschieden. Die besten Glückwünsche gehen dieses Mal nach Basel.</p>
<blockquote><p>Rauschen. Sirren. Piepsen.<br />
Ameisenlauf<br />
Opa sitzt im Sofa und schläft<br />
Oma sitzt im Sofa und schläft.<br />
Ameisenlauf<br />
Schwirren. Rauschen. Zirpen.<br />
Filmspule schlappt<br />
Abgerollt. Hitze der Maschine.<br />
Im Heizungskörper Rasseln.<br />
Oma schläft – die Zähne!<br />
Opa schläft – die Nase!<br />
Ameisenrennen<br />
Die Zeit gewinnt.<br />
Schemen eines Bildes<br />
Still in der Unstille<br />
Der 100’000 Punkte.<br />
<span style="color: #ffffff;">.</span><br />
© Oliver Füglister</p></blockquote>
<p><a href="http://www.sprach-t-raum.de">Katrin Greiner</a> traf die Auswahl für das Monatsgedicht im Januar. Für die Lektorin, Journalistin und Germanistin aus Halle, die 2011 auch der Jury für den MDR-Literaturpreis angehörte, spielt sich der Film gleich auf mehreren Ebenen ab.</p>
<blockquote><p>Profanes Equipment: ein Sofa, ein imaginärer Filmvorführapparat (wie heißen bloß diese Dinger?), eine Filmspule, eine Heizung und falsche Zähne. Das Personal: Oma und Opa (und natürlich das beobachtende lyrische Ich, das sich hier aber weitgehend raushält mit Kommentaren). So weit, so gut. Und daraus soll ein Gedicht entstehen? Eines, das die Welt ver-dichtet in wenige Zeilen? Genau das.<br />
&#8220;Unstille&#8221;, der Text, für den ich mich entschieden habe, kommt mit einfachen, aber sinnlichen Worten aus: rauschen, zirren, schwirren, piepsen, rasseln. Weniger ist hier eindeutig mehr. Das ist Lyrik, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, sondern eine gewisse Leichtigkeit suggeriert. Hier braucht es weder bedeutungsschwangere Metaphern noch Welthaltigkeit mit der Holzkeule. Oma und Opa schlafen, der Film, vorher noch im &#8220;Ameisenlauf&#8221;, ist nach einem Rennen zu Ende, die Spule schlappt und die Zeit ist Erster. Das genügt. Der Text gerät selbst zu einer kurzen (Film-)Sequenz, die im Leser eine ganz neue, ganz eigene Reihe von Bildern anstößt. Welcher/wessen Film ist gemeint? Warum – verdammt! – ist es still trotz des Ratterns der Spule? Welches 100000-Pixel-Bild bleibt stehen?<br />
Nun also bin ich doch dem Regisseur des Ganzen auf den Leim gegangen: Eine einfach anmutende Inszenierung genügt und ich finde mich in meinem eigenen Film wieder, kann nicht einfach abhaken und weitergehen, sondern drehe und wende die mir offerierte Szenerie immer wieder. Und das ist gut.</p></blockquote>
<p>&#8220;Kleine autobiografische Skizze&#8221; nannte der Gewinner seine Vita, um die ich ihn bat. Sie macht den Beitrag mit Gedicht und Urteilsbegründung nicht nur im leichten Ton, sondern auch im weiteren &#8220;Film&#8221; rund und &#8220;entspricht&#8221;, so Oliver Füglister,&#8221; grade sehr gut meiner jetzigen Stimmung, launisch, unernst und ernst in einem.&#8221;</p>
<blockquote><p>Oliver Füglister, * 1974 in Lausanne, Schweiz<br />
Seit April 2011 ist er Hausmann, kümmert sich um seine beiden Kinder (9 und 2 ½ Jahre) und versucht, sich in einer Existenz einzurichten, die mit der Arbeitswelt, die er zur Genüge kennen gelernt hat – zuletzt als Geschäftsführer einer kleinen Marketingfirma -, nichts mehr zu tun hat: sich nur mit Worten und Gedanken, mit Bildern und Abbildern beschäftigend.<br />
Ausgebildeter Mittelalter-Historiker, widmet er sich zurzeit einerseits dem Schreiben von Gedichten, wobei er Mühe hat, dem freien Vers etwas Eigenes abzugewinnen, nachdem er monatelang nur Sestinen geschrieben hat, und möchte bis Frühling 2012 erstmals mit einer poetisch-absurden Nachrichtenrevue an die Öffentlichkeit treten (vorzugsweise in einem Café seines jetzigen Wohnorts Basel).<br />
Oliver Füglister hat folgende Prägungen aufzuweisen, die in sein Schreiben einfließen: Kindheit in katholischem Hinterland, grüblerische Mutter, frühe Fabulierlust, als Lügen tituliert, erste Liebe, Entdeckung Rimbauds, zweite Liebe, Entdeckung Dostojewskis, dritte Liebe, Berlin (rund 6 Jahre), Entdeckung der Haiku-Kunst, Entdeckung Prousts, 1. Kind, Entdeckung Joyces, 2. Kind, Burnout, Entdeckung des Prinzips „reduce to the max“ im freien Vers anhand der Lyrik von Samuel Menashe. (Einziges poetisches Idol: Jaan Kaplinski.) Ist jetzt gerade in der Waschküche am Wäschehängen, sein Junge rast donnernd auf seinem blauen Auto unter den Laken hindurch.</p></blockquote>
<p>Da kommen mit Oma und Opa Generationen zusammen und der Film hat seine neue Episode. Im Web ist Oliver Füglister übrigens unter <a href="http://www.faime.ch">www.faime.ch</a> zu finden und seine Tweets lesen Sie unter <a href="https://twitter.com/#!/ofueglister">@ofueglister</a>.<br />
<span style="color: #ffffff;">.</span><br />
Wenn das in der Leichtigkeit der Darstellung nicht auch gleich eine Überleitung zum neuen Monatsgedicht-Thema ist! Im Februar geht es nämlich um <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-7-spiel/">&#8220;Spiel&#8221;</a>. Jurorin ist Annette Stroux, die als Theaterfrau &#8211; und dabei selbst Lyrik schreibend &#8211; diesen Blickwinkel gut kennt.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Marlies Blauth stellt mit „Nachts“ das Monatsgedicht für Dezember</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/12/10/marlies-blauth-stellt-mit-%e2%80%9enachts%e2%80%9c-das-monatsgedicht-fur-dezember/</link>
		<comments>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/12/10/marlies-blauth-stellt-mit-%e2%80%9enachts%e2%80%9c-das-monatsgedicht-fur-dezember/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 07:33:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Ott]]></category>
		<category><![CDATA[Marlies Blauth]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtgedanken]]></category>

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		<description><![CDATA[‚Nachtgedanken’ lautete das Thema der fünften Monatsgedicht-Runde. Was sich mit wachen Sinnen im Dunkel – sei es außen oder innen – alles vernehmen lässt und Schauer erzeugt, macht Marlies Blauth mit ihrem Gedicht deutlich. Nachts Psst! Sie sind wieder da. Hörst du ihr leises Husten? Das schlurrende Zirpen wenn sie ihre winzigen Glaskrallen wetzen? Spürst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>‚Nachtgedanken’ lautete das Thema der fünften Monatsgedicht-Runde. Was sich mit wachen Sinnen im Dunkel – sei es außen oder innen – alles vernehmen lässt und Schauer erzeugt, macht Marlies Blauth mit ihrem Gedicht deutlich.</p>
<blockquote><p><strong>Nachts</strong></p>
<p>Psst!<br />
Sie sind wieder da.<br />
Hörst du ihr leises Husten?<br />
Das schlurrende Zirpen<br />
wenn sie ihre winzigen Glaskrallen wetzen?</p>
<p>Spürst du das Flirren und Schlappen<br />
mit dem ihre Lufthäute deinen Nacken streifen<br />
riechst du den Hauch<br />
den sie giftig hecheln?</p>
<p>Mit schmatzendem Schwall<br />
werfen sie ihre Gewölle auf Teller und Tisch!</p>
<p>Kannst du die krausen Linien sehen<br />
die sie so wild durch die Zimmer tanzen<br />
bevor ihre Flügelknochen fletschend zerbrechen?<br />
Hörst du nicht dieses rohe Krachen?<br />
<span style="color: #ffffff;">.</span><br />
<span style="color: #ffffff;"> .</span><br />
Was sagst du da –<br />
alles ist still?</p>
<p><span style="color: #ffffff;">-</span><br />
© Marlies Blauth</p></blockquote>
<p>Als Juror dieser Runde wählte der Journalist und Literaturkritiker Günter Ott den Favoritentext aus:</p>
<blockquote><p>Stille Nacht – von ihr wird in diesen Tagen wieder gesungen. Doch die Nacht ist nicht still. Wer dies erfahren will, muss allerdings still sein („Psst!“), denn nur dann schärfen sich die Sinne für die Nacht draußen, mehr noch für die Nacht drinnen, für die Nacht im Menschen. Wer in seine Nacht hineinhört, in sein Dunkel geht, den überkommen Ahnungen, gespensterhafte Erscheinungen – Dinge, die vorüberwischen, vorüberzischen; die einen schrecken („deinen Nacken streifen“), die Sinne verwirren („krause Linien“, „wild &#8230; tanzen“), Abgründiges öffnen.<br />
Natürlich lässt einen dieses Gedicht an Fledermäuse denken, zunächst. Doch es geht den entscheidenden Schritt weiter ins bedrohliche Dunkel, in eine Schattenwelt, derer wir nicht mehr Herr sind. Uns wird mitgespielt! Wir sind ausgesetzt, just da, wo wir uns unserer Häuslichkeit sicher wähnen („Gewölle auf Teller und Tisch!“).<br />
Nachts ist der Wechsel, auch der Wechsel von Fragezeichen und Ausrufezeichen. Die Sicherungen sind durchgebrannt &#8230;<br />
Da gibt es tatsächlich noch welche, die nichts hören, nichts sehen, nichts erahnen, die weiter von der stillen Nacht singen. Mag sein, dass sie das Lied eine Zeitlang über die Abgründe hinwegführt, aber irgendwann wird auch ihnen Hören und Sehen vergehen, wenn sie den Mut fassen, in ihr Dunkel hinabzusteigen.</p></blockquote>
<p>Als ich den Link zu Marlies Blauths Blog zum ersten Mal anklickte, war ich fasziniert von der Klarheit, mit der sie ihre Kunst wie auch ihre Gedichte präsentiert. Inzwischen ist es immer eine besonderer Moment, dort vorbeizuschauen: <a href="http://kunst-marlies-blauth.blogspot.com/">KUNST Marlies Blauth</a></p>
<blockquote><p>Marlies Blauth (*1957 in Dortmund; aufgewachsen in Dortmund, Vater war Musiker) ist Künstlerin, studierte bei Anna Oppermann und Wil Sensen an der Universität Wuppertal<br />
(1981 Staatsexamen Kunst/ Biologie; 1988 Diplom Kommunikationsdesign),<br />
seit 1988 Ausstellungen im In- und Ausland (Malerei, Druckgrafik, experimentelle Techniken)<br />
seit 2006 literarische Beiträge in Anthologien und Zeitschriften, mehrere regionale Auszeichnungen</p></blockquote>
<p>Die sechste Runde der Monatsgedichte dauert noch bis Heiligabend. Die Germanistin und Lektorin <a href="http://www.sprach-T-raum.de">Katrin Greiner</a> (Halle) wählt aus diesen Posts im Blog Monatsgedichte dann den Siegertext für Januar. Thema sind <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-6-film-und-kinogedichte/">Film- und Kinogedichte </a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Buchmessen im November</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/11/13/buchmessen-im-november/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 13:24:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[femscript]]></category>
		<category><![CDATA[Gertraud Wiggli-von Loewenich]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist letzter Tag der Buch Wien 11, am nächsten Wochenende öffnet die BuchBasel ihre Tore. &#8220;Andere Bücher braucht das Land!&#8221; heißt es schließlich am 26. und 27. November in München, wenn sich dort etwa 30 unabhängige Verlage aus dem deutschsprachigen Raum ein Wochenende lang im Literaturhaus präsentieren. Die Verlagschancen für Lyriker/innen sind gering, doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist letzter Tag der <a href="http://www.buchwien.at/">Buch Wien 11</a>, am nächsten Wochenende öffnet die <a href="http://www.buchbasel.ch/">BuchBasel</a> ihre Tore. <a href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/ausstellung/items/7/vars/andere-buecher-braucht-das-land-2011.html">&#8220;Andere Bücher braucht das Land!&#8221;</a> heißt es schließlich am 26. und 27. November in München, wenn sich dort etwa 30 unabhängige Verlage aus dem deutschsprachigen Raum ein Wochenende lang im <a href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/">Literaturhaus</a> präsentieren.</p>
<p><a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-content/uploads/2011/11/BuchBasel-Lesung-femscript-mit-Gertraud-Wiggli-von-Loewenich.png"><img class="alignleft size-full wp-image-847" title="BuchBasel Lesung femscript mit Gertraud Wiggli von Loewenich" src="http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-content/uploads/2011/11/BuchBasel-Lesung-femscript-mit-Gertraud-Wiggli-von-Loewenich.png" alt="" width="556" height="389" /></a></p>
<p>Die Verlagschancen für Lyriker/innen sind gering, doch diese Messen bieten gute Gelegenheit, sich zu orientieren und mögliche Kontakte aufzubauen. Je mehr Einblick man in den Buchmarkt gewinnt, umso besser kann der eigene Weg angegangen werden.<br />
<a href="http://www.wiggli-lyrik.ch">Gertraud Wiggli von Loewenich</a> hat auf der BuchBasel einen Meilenstein gesetzt und liest dort am 18. November um 16.30 Uhr im Dialogzelt aus ihrem neuen Gedichtband &#8220;Zeitkreis&#8221;. In der Gruppe der <a href="http://www.femscript.ch/">femscript</a>-Autorinnen mit dabei sind auch <a href="http://www.o-le.ch/">Elisabeth Mascheroni</a> und <a href="http://www.ruthloosli.ch/">Ruth Loosli</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>&#8220;Unflugfähig&#8221; von Jörg Wiedemann &#8211; Monatsgedicht für November</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/11/10/unflugfahig-von-jorg-wiedemann-monatsgedicht-fur-november/</link>
		<comments>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/11/10/unflugfahig-von-jorg-wiedemann-monatsgedicht-fur-november/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 16:11:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Favorit]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Wiedemann]]></category>
		<category><![CDATA[Margrit Manz]]></category>
		<category><![CDATA[Poetisches Porträt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein &#8220;kafkaesker Traum&#8221; im November &#8211; was könnte besser passen für diesen immer so grau empfundenen Monat. Jörg Wiedemann hebt in seinem poetischen Porträt  alle Schwere auf  und gibt der bizarren Welt &#8211; nicht nur der Franz Kafkas &#8211; neuen Anschein. Unflugfähig … im Gleichnis hast du verloren. Kratzt sich hinterm K. Kopf sein Schloss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein &#8220;kafkaesker Traum&#8221; im November &#8211; was könnte besser passen für diesen immer so grau empfundenen Monat. Jörg Wiedemann hebt in seinem poetischen Porträt  alle Schwere auf  und gibt der bizarren Welt &#8211; nicht nur der Franz Kafkas &#8211; neuen Anschein.</p>
<blockquote><p><strong>Unflugfähig</strong></p>
<p><em>… im Gleichnis hast du verloren.</em></p>
<p>Kratzt sich<br />
hinterm K. Kopf<br />
sein Schloss und Riegel unterm<br />
Deckflügel flügger<br />
Vorhänge verwandelt sich<br />
Samsalabim in<br />
das kriechende Kerbtier</p>
<p>(Bitte betrachten Sie mich<br />
nur als einen Traum<br />
auf Stummelfüssen)</p>
<p>umkreist so lange heiß<br />
den Brei bis<br />
beim Kichern in den Schmäh<br />
bauch es in ihm ertrinkt komplex</p>
<p>das eintägliche Auge schwimmt<br />
noch oben<br />
klettert hinaus<br />
türmt ins Büro<br />
zwinkert Freud zu legt<br />
abends sich ( und eine Träne)<br />
aufs Kanapee träumt<br />
vom Autodafé<br />
(von herzverbrannten Fliegen).</p>
<p>© Jörg Wiedemann</p></blockquote>
<p>Margrit Manz traf für das Novembergedicht die Auswahl. Die Jurorin, die ihre Meriten im Aufbau zweier literarischer Einrichtungen  &#8211; 1991 die literaturWERKstatt berlin und 2000 das erste Literaturhaus der Schweiz in Basel &#8211; verdient hat, ist auch Mitbegründerin des renommierten ‚Open Mike’ sowie der Werkstatt für ‚Spoken Word’ und ‚Lyrics’ in der Schweiz. Ihre Entscheidung begründet Margrit Manz so:</p>
<blockquote><p>Natürlich ist ein Käfer unflugfähig, auch wenn es ihm gelingt seinen Kerbtierkörper anzuheben und in gewisse Höhen zu schrauben. Doch irgendwie landet er wieder da, wo er abgehoben hat. Es ist so wie mit dem Grashalm. Hat der Käfer die erste Hälfte erklettert, neigt sich durch sein Gewicht die vordere Halmspitze zu Boden. Ob er will oder nicht, er krabbelt an den Ausgangspunkt zurück. Erst im Traum, auf dem Käferrücken liegend, die Stummelfüße zappelnd himmelwärts gerichtet, ist eine Verwandlung erlaubt. Kichernd umkreist er im Traum den heißen Brei, in den er fast noch fällt. Freund Freud kurz zugezwinkert, hinterm Käferkopf gekratzt, trägt er seinen Schmäh-Bauch ins Büro. Verwandelt sich erneut, vielleicht in einen Menschen, und unflugfähig auch jetzt, beginnt er sein ganz alltägliches Abenteuer.</p>
<p>Aufgabe für das Novembergedicht war es, ein Porträt in poetischen Worten zu zeichnen.<br />
Für mich wurden Thema und poetische Bilder am eindrucksvollsten im Gedicht „Unflugfähig“ umgesetzt. Der Dichter hat es verstanden, dem Text Leichtigkeit und Tiefe zu geben, der Sprache Humor und Virtuosität zu verleihen und den Bildern von Traum und Wirklichkeit, besser gesagt, den Mühen des Tages und der Nacht, Präsenz zu verleihen. Reich an verwandelten Materialien und Zitaten wurden die Worte präzise gesetzt, keines davon ist Zweitlösung oder Zufälligkeit.</p>
<p>Ob Gleichnisse gewonnen oder verloren sind, sie bleiben letztendlich Gleichnisse. Sie sind, was sie sind! So wie beim Leoparden und dem Tempel:<br />
„Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer;<br />
das wiederholt sich immer wieder;<br />
schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird Teil einer Zeremonie. (Franz Kafka)</p></blockquote>
<p>Herzlichen Glückwunsch nach Berlin zu Jörg Wiedemann, einem Autor, der voller Ideen steckt und vor allem auch als Lesender in der Literatur zuhause ist.</p>
<blockquote><p>Unter dem Motto &#8220;Rolle rückwärts oder vorwärts: Schreiben als existenzielle Turnübung&#8221; brachte Jörg Wiedemann jüngst in einer Diskussion sein Schreiben auf einen Nenner:<br />
&nbsp;<br />
“Es ist das Staunen, das unbeherrschbare Hantieren mit dem Riesenspielzeug, eine Mechanik, die ich nie ganz verstehe und gerade deswegen bewundere.<br />
Es ist Musik, Klang und besonders Rätsel, Kaleidoskop.<br />
Dieses enigmatische Moment, das poetische, verdichtete Sprache inne hat, inauguriert, fasziniert und erschreckt mich zugleich.<br />
Und es ist der Hiatus zur Alltagssprache zum medialen Geplapper, diesen Symplegaden, der mich antreibt und verlorenen Bedeutungen neue Gewichte verleihen möchte.<br />
Im Schreiben, im Vers spüre ich Lebendigkeit, so wie wenn ich auf der Bühne stehe und in eine Rolle schlüpfe, es ist diese Maske, diese stets erneuerbare Larve, die mich visionär stimmt.<br />
Oft fühle ich auch die zu großen Schuhe, Kleider, die nie passen werden.<br />
In erster Linie schreibe ich für mich, vielleicht als psychologisches Ventil, vielleicht als opakes Teilverstehen, als nomadisches und monadisches Streifen durch die schmerzhafte allgegenwärtige Vergänglichkeit unseres Seins, einer Ontologie, der ich mich immer ein wenig ausgeliefert fühle und zu der ich beim Wortefinden um ein paar Millimeter näher zu kommen scheine.<br />
Ich sammle schöne Worte, eindringliche Verse, verlorengehendes &#8216;Sprachmaterial&#8217; und bin am Ziel, wenn manchmal ein Satz, ein Vers, selten ein Gedicht so eine eigene Corona hat und sich illuminiert.&#8221;<br />
&nbsp;<br />
Weitere biografische Daten des Gewinners, der bereits in der ersten Monatsgedicht-Serie unter den Favoriten war, erfahren Sie in der <a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/2010/06/25/jorg-wiedemann-kreditunwurdige-farbspritzer-auf-einer-kohlezeichnung-monatsgedicht-juni/">Vita</a> an früherer Blogstelle.</p></blockquote>
<p>Das fünfte Monatsgedicht ist dem Thema <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-5-nachtgedanken/">Nachtgedanken</a> gewidmet. Der Literaturkritiker Günter Ott wird den Sieger im Dezember küren. Bis zum 25. November haben Sie noch Zeit, Ihr Gedicht zu posten.<br />
Die Details finden Sie unter dem Stichwort <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/">Förderprojekt Monatsgedichte</a>. Sie können bei diesem Lyrikprojekt zu jeder Runde neu dazustoßen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>November-Lyrik #frapalymo &#8211; jeden Tag ein Gedicht</title>
		<link>http://blog.unternehmen-lyrik.de/2011/10/30/november-lyrik-frapalymo-jeden-tag-ein-gedicht/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 17:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>
		<category><![CDATA[Flow]]></category>
		<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreibpraxis]]></category>

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		<description><![CDATA[Pro Woche ein Gedicht lautete die Devise, die ich beim E-Mail-Kurs zum Jahresbeginn ausgab. Aus dem dafür anberaumten Quartal ist inzwischen ein ganzes Jahr mit wöchentlichen Impulsen geworden, Nummer 44 geht kommenden Donnerstag hinaus. Doch alles lässt sich steigern! Wer die letzten Wochen des Jahres noch aufholen oder zu einem gewaltigen Endspurt ansetzen will, hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/kurse/lyrik-e-mail-kurse/ein-gedicht-pro-woche/">Pro Woche ein Gedicht</a> lautete die Devise, die ich beim E-Mail-Kurs zum Jahresbeginn ausgab. Aus dem dafür anberaumten Quartal ist inzwischen ein ganzes Jahr mit wöchentlichen Impulsen geworden, Nummer 44 geht kommenden Donnerstag hinaus.<br />
Doch alles lässt sich steigern! Wer die letzten Wochen des Jahres noch aufholen oder zu einem gewaltigen Endspurt ansetzen will, hat beim <a href="http://www.paulchenbloggt.de/2011/10/19/macht-mit-beim-frapalymo-0">Lyrikprojekt von Sophie Paulchen</a> seine Chance.  Unter dem Stichwort <a href="http://twitter.com/#%21/search?q=%23frapalymo">#frapalymo</a> ruft Frau Paulchen nämlich während der 30 November-Tage zum täglichen Gedicht auf. Impulse und Details gibt es über <a href="http://twitter.com/#%21/FrauPaulchen">Twitter</a> oder im <a href="http://www.paulchenbloggt.de">Blog der Initiatorin</a>. Schreiben und/ oder inspirieren  &#8211; in &#8220;Frau Paulchens Lyrik Monat&#8221; lohnt sich beides. Am 1. November geht es los!</p>
<p><a href="http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-content/uploads/2011/10/Bildschirmfoto-2011-10-30-um-17.41.02.png"><img class="alignleft size-full wp-image-765" title="www.paulchenbloggt.de" src="http://blog.unternehmen-lyrik.de/wp-content/uploads/2011/10/Bildschirmfoto-2011-10-30-um-17.41.02.png" alt="" width="553" height="127" /></a></p>
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		<title>Monatsgedicht im Oktober: &#8220;das schweigen&#8221; von Klaus Roth</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 06:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Didyk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Favorit]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Liebesgedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Ines Struck]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Liebesgedichte&#8221; lautete das Thema für Oktober. Die &#8220;absinthgrünen träume&#8221;, das Bild Klaus Roths gleich in der ersten Gedichtzeile, tauchte schon intern beim Austausch der Teilnehmer/innen als starker Magnet auf und zog die Lesenden ins Gedicht. Dass der Text bis zum Schluss hält, was er mit diesem Einstieg verspricht, lesen Sie im Urteil von Sarah Ines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Liebesgedichte&#8221; lautete das Thema für Oktober. Die &#8220;absinthgrüne<em>n</em> träume&#8221;, das Bild Klaus Roths gleich in der ersten Gedichtzeile, tauchte schon intern beim Austausch der Teilnehmer/innen als starker Magnet auf und zog die Lesenden ins Gedicht. Dass der Text bis zum Schluss hält, was er mit diesem Einstieg verspricht, lesen Sie im Urteil von <strong>Sarah Ines Struck</strong>, der Jurorin dieser Monatsgedicht-Runde.</p>
<blockquote><p><strong>das schweigen</strong></p>
<p>absinthgrüne träume<br />
in deinen augen<br />
wenn die nacht<br />
auf den nägeln brennt<br />
und unter die haut dringt<br />
wenn niedere minne sich ankündigt<br />
und das schweigen vibriert<br />
wenn wir auf hautfühlung gehen<br />
zwischen achselhöhle nabel kleinem zeh<br />
und den schlüssel finden<br />
zum herzschlag des begehrens</p>
<p>© Klaus Roth</p></blockquote>
<p>Die<a href="http://www.storia-verlag.de/"> Lektorin und Verlegerin</a> <strong>Sarah Ines Struck</strong>, selbst <a href="http://www.sarah-ines.de/">Autorin</a> und auch in dieser Rolle mit Lyrik intensiv befasst, sieht vor allem in der Bildsprache die Stärke des neuen Favoriten.</p>
<blockquote><p>„Liebe ist die Poesie der Sinne“, soll der französische Schriftsteller Honoré de Balzac einmal gesagt haben. Mein Favorit aus den Einsendungen für die Monatsgedichte Oktober 2011 zum Thema „Liebesgedichte“, das Gedicht „das schweigen“, tanzt auf genau diesem Grat und Dreiklang. Eine Poesie der Liebe hat immer auch einen sinnlichen Aspekt, der nicht zwingend sexuell sein muss, immer aber emotional.<br />
Im Siegergedicht für Oktober wird eine Liebesminiatur in elf Zeilen erzählt. Mit Mitteln der Synästhesie projiziert der Dichter sinnliche Eindrücke in den Kopf der Leser &#8211; „absinthgrüne träume in deinen augen“ &#8211; und lässt fühlen, was das lyrische Ich fühlt, „wenn wir auf hautfühlung gehen zwischen achselhöhle nabel kleinem zeh“. Zugleich wird jedoch die körperliche und geistige Ebene konterkariert. Schließlich ist die Liebe immer mehr als „niedere minne“. Wo „das schweigen vibriert“, bleiben Fragen offen. Und wenn die Liebenden auf „hautfühlung gehen“, finden sie schließlich „den schlüssel … zum herzschlag des begehrens“.<br />
Schlicht und doch bildhaft ist die Sprache dieser Liebesgeschichte in Versen, eine klassische Ästhetik bemüht sie nicht, und doch findet sich in ihr Form jenseits von Metren und Reimschemen, durch versteckte Alliterationen zwischen den Zeilen beispielsweise, vor allem aber durch eine Folge klarer schlichter Bilder, die den Grenzgang der Liebe spiegeln.</p></blockquote>
<p>Bei vielen Teilnehmer/innen der Monatsgedichte kenne ich nur Namen und Mail-Adresse. So bin ich bei mir unbekannten Gewinnern immer selber gespannt, wer hinter dem Gedicht steckt. Klaus Roth belohnt solche Neugier mit einladender Website und Bildergalerie. Auch dort gibt es einige Favoriten zu entdecken!<br />
Die Adressen für dieses Vergnügen finden Sie am Ende der folgenden Vita.</p>
<blockquote><p>Klaus Roth, 1957 geboren, lebt in München, übersetzt Kunst- und Theaterbücher, schreibt Lyrik, Kurzprosa und Essays, malt Horizonte und Köpfe, fotografiert die Ränder des Alltags.<br />
Zahlreiche Bild- und Textbeiträge in Anthologien sowie in Kultur- und Literaturzeitschriften.<br />
Auszeichnungen und Stipendien: Diploma di Merito / Premio &#8220;Città di Napoli&#8221; (Accademia Internazionale Partenopea Federico II), Neapel 2011. Autorenwerkstatt des Lyrik-Kabinetts München, 2005/2006.<br />
Auf der <a href="http://www.klaus-roth-texte.de/">Autorenseite</a> und <a href="http://www.klaus-roth-bilder.de/bildergalerie/">Kunstseite</a> Klaus Roths erfahren Sie noch mehr über den neuen &#8220;Monatsdichter&#8221; im Oktober.</p></blockquote>
<p>&#8220;<strong>Poetische Porträts</strong>&#8221; sind in der gegenwärtigen Monatsgedichtrunde <strong>bis zum 26. Oktober</strong> gefragt. Jurorin für das Novembergedicht ist <strong>Margrit Manz</strong>. Die ausführlichen Informationen finden Sie unter der Rubrik <a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/monatsgedicht-4-poetische-portraets/">Förderprojekte</a> von Unternehmen Lyrik. Sie können<a href="http://www.unternehmen-lyrik.de/projekte/monatsgedichte/"> in jeder Runde der Monatsgedichte neu</a> hinzustoßen.</p>
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