30.12.2009

Monatsgedicht Dezember II: “märzschnee” von Kristin Winter

Filed under: Autor/innen,Monatsgedichte,Projekt — Tags: , , — Michaela Didyk @ 23:44

Bis März mag es noch eine Weile dauern. Doch die Tage werden schon länger. Für Kristin Winter und ihr Gedicht “märzschnee” bedeutet die Entscheidung von Viktoria Frysak auf jeden Fall ein rundes Jahresende und den Auftakt für ein erfolgreiches Weiterdichten in 2010. – Herzlichen Glückwunsch!

märzschnee
hattest schon an
eine amsel gedacht

da stellt der winter
noch einen fuß
auf das land

anfangsfarbig
die welt

und du
und du

© Kristin Winter

Für diese Runde mit Gedichten rund um Schnee, Eis und Kristall hat Viktoria Frysak das Jurorenamt übernommen. Sie leitete von 2003 – 2008 einen Wiener Belletristikverlag. 2005 gründete sie gemeinsam mit dem Autor Thomas Wollinger den Texthobel, die Werkstatt für Texttechnik. Seit 2007 betreibt Viktoria Frysak einen Verlag für historische Texte aus dem interkulturellen Bereich.
Ihre Entscheidung begründet die Jurorin so:

Dieses Gedicht ist bei mir sofort hängen geblieben. Die wenigen Worte ergeben auf mehreren Ebenen Sinn. Es scheint dem Raum, dem Inhalt nachzuspüren und ihn mit Emotion zu füllen, – in eben rechtem Maß gewählt.
Der Text verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger und jegliche vorweg genommene Wertungen. Gerade in diesem Aussparen und durch die Beschränkung auf eine fast karg zu nennende Darstellung wird die emotionale Tiefe und Ausdrucksstärke erzeugt.
Auch die Wahl der Zeilenumbrüche und Strophen, die Ordnung der Gedanken und ihre Abfolge, kurzum die lyrische Komposition zeugen von sprachlicher Kompetenz, einer konsequenten Wortwahl und Genauigkeit des Ausdrucks. Für mich haben sich in diesem Gedicht starke Anklänge an Erich Fried gezeigt.

Kristin Winter stellt sich in ihrer Vita vor allem über ihre Bücher vor:

Jahrgang 1958, Jugend in Namibia, drei erwachsene Söhne , lebt als Malerin und Autorin in Wangen im Allgäu.
Veröffentlichungen in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien, vier Gedichtbände: „Wie wach du mich machst“ (2003), „Muschelworte“ (2004), „Fischlieder“ (2005), „Wandelworte“ (2007), (alle erschienen im Athena-Verlag/Oberhausen),
ebenso „Goldfische“/Kurzprosa (2007), „Die Sonne im Gesicht“/ Erzählung (2007, BoD)

02.11.2009

Monatsgedicht im November: “zeichenlese” von Roswitha Hofmann

Filed under: Autor/innen,Monatsgedichte,Projekt — Tags: , , — Michaela Didyk @ 12:38

“Nummer 9 – zeichenlese” nannte mir Literaturkritiker und Juror Günter Ott (Augsburger Allgemeine Zeitung) am Telefon als seinen Favoriten. Roswitha Hofmann (Kaufbeuren) ist die Siegerin dieser zweiten Runde. Sie hat das Monatsgedicht für November verfasst:

zeichenlese

aufgelesen
vom boden führt
die feder
leicht durch
bodenlose
lesehimmel


keine spur
am himmel bleibt
vom vogelflug
webt
dein glück nur
im auge

© Roswitha Hofmann

Günter Ott fügt seiner Wahl folgenden Kommentar bei:

Welche Bild- und Wortgewitter sind schon auf die Poesie niedergegangen! Und doch hat sie eine ihrer starken Wurzeln in dem, was man das Einfache nennt – was zu dichten alles andere als einfach ist. Wunderbare Beispiele danken wir (u.a.) der Romantik. In dieser Tradition scheint mir dieses Gedicht zu stehen, einer doppelbödigen Sprach- und Denkbewegung, die nicht allein zentrale Wörter wie “bodenlos”, “aufgelesen” und “Feder” (Schreibfeder, Vogelfeder) mit sich führt, sondern – vor allem – in der Drift nach oben immer den Abgrund im Auge, im Sinn hat. So beglückend der Vogelflug, so sehr bleibt er das ferne Glück – ein Glück freilich, an dem der (lesende und dichtende) Mensch unentwegt webt.

Herzlichen Glückwunsch an Roswitha Hofmann, die sich über die gute Sonntagsbotschaft gestern schon freute. Für mich ist es selber jedes Mal spannend, die Nummern der Gedichte mit den Namen zu verbinden. Welche Person hinter dem Text steckt, für den sich Günter Ott entschieden hat, erfahren Sie hier:

Roswitha Hofmann, geboren am zwanzigsten Mai neunzehnhundertachtundvierzig, liebt Gedichte, Prosaminiaturen, Texte. Schreiben heißt für sie berühren, kristallisieren, die Worte gegen den Strich bürsten. Seit 2003 ist Roswitha Hofmann Mitglied im Autorenkreis Allgäu, seit 2005 bespricht sie regelmäßig Bücher in Beckers Lesezeichen.
Veröffentlichungen: ‚Die Lust auf der Zunge zergehen lassen’ (2003), Gedichte und Prosaminiaturen in ‚harras 20’ (2004) in ‚Lust auf Erotik’ (2005). Prosaminiaturen in diversen Anthologien. Lesungen hielt Roswitha Hofmann im Allgäu, in Tannberg/ Salzburg, Meißen und Winterkasten/ Mannheim.

28.10.2009

Thema Stadtporträts – die dritte Runde Monatsgedichte hat begonnen

Filed under: Monatsgedichte,Projekt — Tags: , , , — Michaela Didyk @ 20:05

Die dritte Runde läuft: Bis 15. November 2009 sind Stadtansichten, Stadtgesichter gefragt. Weitere Informationen zum Thema Stadtporträts können Sie hier herunterladen.

Kulturreferentin Karin Buzeczky (Mondsee bei Salzburg) entscheidet das Monatsgedicht für Dezember. Als Veranstaltungsorganisatorin und Vermittlerin zwischen Künstler/innen und Publikum legt sie an Ihre Gedichte einen betont praxis-orientierten Maßstab.

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Wenn Sie zu m Projekt der Monatsgedichte neu dazustoßen wollen, gelangen Sie hier zur weiteren Information und Anmeldung.

03.08.2009

Start der Monatsgedichte

Lyrik, so sagt man, hat es schwer. Bei den Verlagen sicherlich. Das ist aber nur die leere Hälfte des Wasserglases. Denn Not macht erfinderisch. Mit dem Blick aufs halbe volle Glas lassen sich zu Zeiten des Social Web mehr denn je neue Möglichkeiten erschließen.
Plattformen, Foren, Blogs oder Twitter werden zwar rege genutzt, um Gedichte zu präsentieren. Doch es braucht noch mehr Knotenpunkte, um im Netz nicht zu verschwinden. Und es braucht für LyrikerInnen oft erstaunlich Mut, sich mit dem Web, der Technik generell anzufreunden. In der stillen Kammer zu schreiben und nach außen zu gehen, um „sich zu verkaufen“, ist aus meiner Praxiserfahrung mit DichterInnen ein regelmäßiger und vor allem mentaler Hindernislauf.

Wettbewerb und Web wie beim Projekt ‚Monatsgedichte’ zusammenzuspannen, scheint mir ein spielerisches Angehen solcher Berührungsängste. Dreizehn Mal im Jahr geben wechselnde JurorInnen aus dem Literatur- und Kulturbetrieb LyrikerInnen den Ansporn, sich auf das Web einzulassen und es für den Namensaufbau einzusetzen. In letzterem liegt der große Gewinn, den das Web in seinen vielerlei Facetten bereithält: Es bringt Mundpropaganda, die auch schon in den buchfernen Zeiten der ‚oral poetry’ Sappho oder Walther von der Vogelweide für ihre Bekanntheit zu schätzen wussten.

Monatsgedichte

Die erste Runde der Monatsgedichte startet jetzt. Bis zum 17. September 2009 können ab sofort Gedichte – zunächst in einem geschlossenen Blog – gepostet werden. Margrit Manz, vormals im Literaturhaus Basel und der Literaturwerkstatt Berlin zuhause und Mitbegründerin des Open mike, wählt das erste Monatsgedicht aus. Dieses wird zusammen mit ihrer Einschätzung und einer Kurzvita des/der SiegerIn am 4. Oktober 2009 hier im Blog vorgestellt.
Wenn Sie beim Projekt ‘Monatsgedichte’ teilnehmen möchten, können Sie hier anmelden. Sie finden an dieser Stelle auch noch weitere Details.

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