Heute ist letzter Tag der Buch Wien 11, am nächsten Wochenende öffnet die BuchBasel ihre Tore. “Andere Bücher braucht das Land!” heißt es schließlich am 26. und 27. November in München, wenn sich dort etwa 30 unabhängige Verlage aus dem deutschsprachigen Raum ein Wochenende lang im Literaturhaus präsentieren.
Die Verlagschancen für Lyriker/innen sind gering, doch diese Messen bieten gute Gelegenheit, sich zu orientieren und mögliche Kontakte aufzubauen. Je mehr Einblick man in den Buchmarkt gewinnt, umso besser kann der eigene Weg angegangen werden. Gertraud Wiggli von Loewenich hat auf der BuchBasel einen Meilenstein gesetzt und liest dort am 18. November um 16.30 Uhr im Dialogzelt aus ihrem neuen Gedichtband “Zeitkreis”. In der Gruppe der femscript-Autorinnen mit dabei sind auch Elisabeth Mascheroni und Ruth Loosli.
Nach erfolgreicher Lesung in derkunstraum, Wien, zum Thema Körper.Welten.Körper geht es gleich weiter. Ingritt Sachse (rechts im Bild) tauscht am kommenden Sonntag, 9. Oktober, 11 Uhr, zusammen mit Joachim Harms und Elke Tilk die poetischen Kleider. Konstantin Gockel sorgt mit Violinmusik für weiteren Schwung auf diesem literarischen Laufsteg. Veranstaltungsort ist das Café Libresso in Köln.
Am Dienstag, 18. Oktober, 19 Uhr, liest Angelika Stumvoll (zweite von links) in der Wiener Bücherei Margareten Gedichte, die in tiefe Erinnerungsschichten führen und im Wort deren Befreiung zeigen. Die Autorin und Künstlerin bezieht sich mit ihren Texten auch auf eigene während der Veranstaltung ausgestellte Bilder und schafft so für Ohr und Auge einen intensiven Vorstellungsraum.
Marion Röckinghausen (zweite von rechts) ist am 24. Oktober, um 19.00 Uhr, im Radio Unerhört Marburg zu hören (“Livestream” anklicken). “Alles zu seiner Zeit” heißt ihre Sendung, in der sie eine Zeit lang ihren Hörerinnen und Hörern mit ihren Gedichten und musikalischer Untermalung die Zeit vertreiben wird. Am Freitag, 28. Oktober, um 12 Uhr, wird die Sendung wiederholt.
Dass es in den Tiefen des Web Schätze in Hülle und Fülle gibt, ist nichts Neues. Doch es erstaunt mich immer wieder, wie plötzlich auf einem zufällig genommenen Umweg ein Juwel aufblitzt. Mich führte die Suche nach Anschaungs- bzw. Hörmaterial auf eine Lesung Richard Burtons. Ich wollte in meinem Sonettenkurs die englischen Originaltexte durch Audiodateien ergänzen, um dem oft erzwungenen Reim oder der reimlosen Version der deutschen Übersetzung das ursprüngliche Klangbild entgegenzusetzen. Dabei fande ich Burtons Vortrag eines Gedichtes von John Donne (1572-1631), auf den der erste Sonettenkranz mit ineinander verflochtenen Zeilen zurückgeht. Es ist nun nicht das gesuchte Gedicht aus “La Corona”, geschweige das eigentlich anvisierte Sonett 18 von William Shakespeare. Aber auch “The Good Morrow” ist ein Hörgenuss, in den ich gerne weiterhin eintauche und der mich dazu anregte, in Zukunft eine Blogrubrik mit Entdeckungen dieser Art zu bestücken.
In der von Ulla Hahn herausgegebenen Reihe Liebesgedichte ist auch John Donne mit einer zweisprachigen Ausgabe vertreten. .
Tisch und Stuhl, eine Lampe, ein Glas Wasser unbedingt – das sind die ersten Assoziationen beim Wort Lesung. Die Einsamkeit des Dichters ist hinter dem Tisch zu spüren, oft auch die Einsamkeit in Form leerer Stuhlreihen davor, zumindest wenn Lyrik angesagt ist. Doch Lesungen sind im Aufwind. Das gesprochene Wort hat in den letzten Jahren mehr Gewicht bekommen. Der immer noch anhaltende Trend der Hörbücher zeigt es.
Der Klang der Stimme, der unmittelbare Kontakt zwischen Lesendem und Publikum setzt eine andere Wahrnehmung frei. Ein Gedicht zu hören und – das zeigt auch ein Experiment in meinen Lyrikkursen – beispielsweise darauf ein Antwortgedicht zu schreiben, lässt dieses viel emotionaler ausfallen, als wenn der Ausgangstext zuvor in einem Buch gelesen wird. Das Hören zieht uns in das Geschehen, während wir über das Sehen mehr Distanz aufbauen. Ein spannendes Kapitel der Philosophie ließe sich hier anschließen, in dem deutlich wird, wie sehr wir auf das Auge und seinen Blick ausgerichtet sind und dadurch unsere Weltsicht oder Weltanschauung ordnen.
Doch zurück zur Lesung. Autoren/ Autorinnen sind oft froh, überhaupt lesen zu dürfen, und verlieren darüber teils ihr Publikum aus dem Blick. Sich seiner Leserschaft bewusst zu werden, auch hier Zielgruppen wie bei beruflichen Erfolgsstrategien ausfindig zu machen und den Auftritt entsprechend auszurichten, ist ein wichtiger Faktor für die gelungene Veranstaltung. Neben der Frage, wen will ich ansprechen, ist aber auch das Wie zu klären. Stimmen die klassischen Rahmenbedingungen – siehe oben -, bietet sich eher eine Performance an, gar ein Event? Lesungen zu organisieren und zu gestalten, ist in der Vielfalt ein weites Feld. Wer hier Anregungen braucht, kann im Sammelband Auf kurze Distanz. Die Autorenlesung: O-Töne, Geschichten, Ideen fündig werden, den Thomas Böhm, Programmleiter im Literaturhaus Köln, herausgegeben hat. Dichter, Rezitatoren und Literaturveranstalter reflektieren in den diversen Beiträgen das Thema.
Damit sich die Lektüre gleich mit Anschaulichkeit verbindet, sind Sie zum Schluss zu einer ganz besonderen Dichterlesung eingeladen. Man muss wohl mit Loriot im Bunde sein, um lyrische Erhabenheit so vergnüglich zu inszenieren.