Der Dornröschenschlaf ist inzwischen bei Twitter schon beendet, so dass es nach dem “Mikro-Blogging” nun auch Zeit wird, hier loszulegen.
Ideen, so scheint es mir manchmal, gleichen einem Sack Flöhe. Alle springen gleichzeitig heraus und wollen gebändigt werden. So hat das letzte Jahr dazu gedient, die Basis meines Förderprogramms für LyrikerInnen Schritt für Schritt zu erweitern, um neue Projekte anzugehen. Das Bloggen blieb erst einmal auf der Strecke. Doch die Schreibnächte jeden letzten Donnerstag eines Monats etablierten sich, das schamanisch-lyrische Arbeiten, das dazu dient, die Quelle der Inspiration freizulegen und den dichterischen Weg zu klären, schließlich das online://Stipendium, das in diesem Frühjahr zum ersten Mal öffentlich ausgeschrieben war. Da einiger Ideenvorrat noch auf Umsetzung wartet, ist für “Nachschub” an Lyrik-Aktionen gesorgt.
Die “Monatsgedichte” gehören beispielsweise dazu. Mit diesem regelmäßigen Wettbewerb sollen LyrikerInnen eine Möglichkeit erhalten, ihre Internetpräsenz und ihren Namensaufbau zu stärken. Als erste Jurorin stellt sich Margrit Manz zur Verfügung. Sie war bis September 2008 Intendantin des Literaturhauses Basel. Nun hat sie die Projektleitung von Foodscape inne, einem Austauschprogramm von Schweizer und chinesischen Künstlern, das auch auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein wird.
Die Details zu den Monatsgedichten lesen Sie im nächsten Blogpost am kommenden Montag. Unter meiner Twitter-Adresse unternehmlyrik erfahren Sie dagegen aktuelle Informationen aus dem Literatur- und Kulturbetrieb. Ich freue mich, wenn Sie “mitzwitschern” und kommentieren.
Ein Weblog für Lyrik und ihre Vermittlung zu eröffnen, beleuchtet mein Unternehmen mehr von der abenteuerlichen Seite. Professionalität und Poesie sind auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Gangarten. Denn Geschäft und Gedichte – dem widersprechen die schmalen Lyrik-Regale und Verkaufszahlen der Buchhändler, dagegen stehen immer noch tief verankerte Bilder vom armen Poeten à la Carl Spitzweg oder schließlich auch Vorstellungen, dass Verse anders als Romane nicht zum Bestsellerband taugen, sondern reifen müssen wie der Jahrgangswein im Keller.
Warum also für die Lyrik eine Bresche schlagen? Gedichte – dies zunächst als persönliches Bekenntnis – führen mich in Neuland, indem sie Sprache herausfordern und neu ausbilden. Damit werfen sie immer auch Denkprozesse an. Wenn ich Lyrik lese, bin ich in beiden Gehirnhälften zuhause. Bilder und Klang nähren die Intuition, die Logik übersetzt, ordnet das Gelesene oder Gehörte in Verstehenskontexte ein. Das weitet den Horizont und baut Sprachkompetenz aus, ebenso Wahrnehmung und das Feingefühl für Zwischentöne. Vom Spaß an der Lektüre oder Hörgenuss ganz zu schweigen.
Ich schreibe – dies als zweites Bekenntnis – Sachliteratur und Zeitungsartikel, keine Gedichte. Doch ich habe mich der Lyrik verschrieben und ihren Protagonisten: Ich fördere Lyrikerinnen und Lyriker, die bereits kontinuierlich und qualitativ im zeitgenössischen Stil dichten, unterstütze sie in der Perfektionierung ihres Handwerks, im Zugang zur Inspiration und bei ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit. Hier stelle ich vor allem die Lesung, das gesprochene Wort, in den Vordergrund.
Mein Weblog zielt daher darauf, Werkzeug und Strategien zu erkunden, Projekte vorzustellen, um sich als LyrikerIn zu vermarkten und bekannt zu machen. Dass dabei der Literatur- und Kunstbetrieb, Kultur generell in den Blick rücken, ist im Sinn der Sache.