30.01.2010

Monatsgedicht Januar: “restposten” von Werner K. Bliß

Abgelegt unter: AutorInnen, Monatsgedichte — Tags: , — Michaela Didyk @ 00:43

Das erste Gedicht, das ich vor Jahren von Werner K. Bliß las, war eine Hommage an Jean Tinguely, vielmehr an dessen vielteiligen Brunnen vor dem Stadttheater in Basel. Werner Bliß, selbst Künstler, fing in seinem Text die unterschiedlichen Temperamente der einzelnen Wasserschöpfer und -speier ein. Er richtete den Blick zwar auf Ausschnitte, ließ aber die gesamte Anlage plastisch werden.
Im neuen Monatsgedicht sind es Werner K. Bliß’ “restposten”. Sie reichen aus, dem Leser existentielle Grundgegebenheiten vor Augen zu führen. Richard Mayr, Juror dieser Januar-Runde, kommt in seiner Begründung darauf zurück.

restposten

aufbruch nach allen
seiten die letzten

geheimnisse eine
frage der zeit

die landung steht bevor
das fähnchen fröstelt schon

wir zurückgebliebene
ordnen strandgut

erwarten hochwasser

© Werner K. Bliß

Richard Mayr, Journalist und Literaturkritiker (Augsburger Allgemeine Zeitung), kam zu folgendem Urteil:

Dieses Gedicht hat es in sich, so karg es sich sprachlich beim ersten Lesen auch gibt. Diese Wendung darin ist unerhört: Erst wird dem Aufbruch der Boden unter den Füßen entzogen, weil er aufs Meer verlegt wird. Dann ist der einzige Ausblick auf das verheißungsvolle Land das Frösteln des Fähnchens. Wirklich angenehm wird es dort nicht sein. Anschließend vereinnahmt das “Wir” den Leser und katapultiert ihn zurück an den Strand, an dem Hochwasser droht. Die Gegenbewegung ist perfekt.
Man mag sich getäuscht wähnen. Die Wendung ist aber mehr als ein artistischer Taschenspielertrick. Hinterfragt man den Anspruch dieses Aufbruchs, der ja nach allen Seiten geschieht, wirkt er so vermessen in der Totalität, dass das Bedrohliche schon immer da war. Der Leser hätte gewarnt sein können. So wird mit kargen Versen auf wenig Raum ein gewaltiges Geschehen eingefangen.

Ob Lyrikmail, fixpoetry, Glarean Magazin, um nur einige online-Stationen zu nennen – Werner K. Bliß setzt mit seinen Gedichten Akzente. Für mich sind es auch die Veröffentlichungen in den Katalogen, die ihn in seiner engagierten Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern ausweisen.
Ich freue mich sehr, ihn als Gewinner der Monatsgedichte anzukündigen: Herzliche Grüße nach Hausach!

Werner K. Bliß, *1950, Pädagoge, schreibt Lyrik und malt, lebt in Hausach / Schwarzwald Auslandsaufenthalt in Portugal- Deutsche Schule zu Porto- von 1985-1991
Lyrikveröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien, Ausstellungskatalogen und Internetportalen
Marianne Hopf, Malerei 1990 – 2008, Ausstellungskatalog Morat Institut, Freiburg, 2008.
Bruder Holz, Armin Göhringer, 13 lyrische Texte zu Arbeiten von Armin Göhringer, Kunsthaus Grenchen / CH, 2006
Vulkan Obsidian oder Schrittmacher des Erinnerns, handgeschriebene Gedichte mit originalen Grafiken, Künstlerbuch Edition Bauwagen, 2006, Herausgeber: Theo Breuer
Lesungen bei LeseLenz Hausach 2007 und bei Ausstellungen diverser Künstler

18.01.2010

“Der, die, das Fremde” als Thema der sechsten Monatsgedicht-Runde

Abgelegt unter: Monatsgedichte — Michaela Didyk @ 19:17

In der sechsten Runde der Monatsgedichte ist die Bibliothekarin und Buchhändlerin Gabriele Dau Jurorin. Sie ist als Anglistin mit langen Auslandsaufenthalten – darunter Südafrika – gerade für das Thema der Fremde versiert.
Um Ihre Gedichte bis zum 14. Februar zu posten, brauchen Sie Zugang zum Projekt ‘Monatsgedichte’. Sie sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Die Informationen zum aktuellen Thema “Der, die, das Fremde” stehen zum Download bereit.

12.01.2010

Eine neue Seidenstraße

Abgelegt unter: Kulturaustausch, Projekt — Tags: , , — Michaela Didyk @ 18:03

Ob auf dem Inka-Pfad nach Machu Picchu oder mit der transsibirischen Eisenbahn ans Ende der Welt, mit meiner Nomadenseele würde ich gern einige Traumreisen unternehmen. So auch die auf der Seidenstraße, auf der ich zumindest gedanklich schon bei meinen Recherchen zum Meißen-Projekt und den Porzellan-Gedichten unterwegs war und bin. Es ist die Vielfalt der Kulturen, die mich reizt, und wie daraus neue Formen entstehen.

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The Silk Road Project habe ich über Twitter entdeckt. Yo Yo Ma, der künstlerische Leiter des Seidenstraßen-Projekts, sieht in der reichen Tradition der historischen Seidenstraße die große Chance, Neues zu schaffen. Durch die verschiedenen Künste zu lernen und sich dabei näher zu kommen, weckt zudem gegenseitiges Verstehen.

When we enlarge our view of the world, we deepen our understanding of our own lives. The Silk Road Project hopes to plant seeds of new cultural growth and to celebrate traditions and musical voices everywhere.

Die Musik steht im Mittelpunkt. Authentisch in ihrer Herkunft, bringt sie der Cellist Yo Yo Ma mit seinem Ensemble nicht nur in die internationalen Konzertsäle, sondern auch in die Museen und Universitäten. Der Nachbarschafts-Gedanke prägt sein Bildungsprogramm, wie anders auch – die Völkerverbindungen der historischen Seidenstraße wirken nach.

Every time I open a newspaper, I am reminded that we live in a world where we can no longer afford not to know our neighbors.

Und die Poesie? Sie zeigt sich beispielsweise in solchem Lied:

Im Silk Road Radio finden Sie noch mehr Beispiele dieser feinen Weltmusik.