02.11.2009

Monatsgedicht im November: “zeichenlese” von Roswitha Hofmann

Abgelegt unter: AutorInnen, Monatsgedichte, Projekt — Tags: , , — Michaela Didyk @ 12:38

“Nummer 9 – zeichenlese” nannte mir Literaturkritiker und Juror Günter Ott (Augsburger Allgemeine Zeitung) am Telefon als seinen Favoriten. Roswitha Hofmann (Kaufbeuren) ist die Siegerin dieser zweiten Runde. Sie hat das Monatsgedicht für November verfasst:

zeichenlese

aufgelesen
vom boden führt
die feder
leicht durch
bodenlose
lesehimmel


keine spur
am himmel bleibt
vom vogelflug
webt
dein glück nur
im auge

© Roswitha Hofmann

Günter Ott fügt seiner Wahl folgenden Kommentar bei:

Welche Bild- und Wortgewitter sind schon auf die Poesie niedergegangen! Und doch hat sie eine ihrer starken Wurzeln in dem, was man das Einfache nennt – was zu dichten alles andere als einfach ist. Wunderbare Beispiele danken wir (u.a.) der Romantik. In dieser Tradition scheint mir dieses Gedicht zu stehen, einer doppelbödigen Sprach- und Denkbewegung, die nicht allein zentrale Wörter wie “bodenlos”, “aufgelesen” und “Feder” (Schreibfeder, Vogelfeder) mit sich führt, sondern – vor allem – in der Drift nach oben immer den Abgrund im Auge, im Sinn hat. So beglückend der Vogelflug, so sehr bleibt er das ferne Glück – ein Glück freilich, an dem der (lesende und dichtende) Mensch unentwegt webt.

Herzlichen Glückwunsch an Roswitha Hofmann, die sich über die gute Sonntagsbotschaft gestern schon freute. Für mich ist es selber jedes Mal spannend, die Nummern der Gedichte mit den Namen zu verbinden. Welche Person hinter dem Text steckt, für den sich Günter Ott entschieden hat, erfahren Sie hier:

Roswitha Hofmann, geboren am zwanzigsten Mai neunzehnhundertachtundvierzig, liebt Gedichte, Prosaminiaturen, Texte. Schreiben heißt für sie berühren, kristallisieren, die Worte gegen den Strich bürsten. Seit 2003 ist Roswitha Hofmann Mitglied im Autorenkreis Allgäu, seit 2005 bespricht sie regelmäßig Bücher in Beckers Lesezeichen.
Veröffentlichungen: ‚Die Lust auf der Zunge zergehen lassen’ (2003), Gedichte und Prosaminiaturen in ‚harras 20’ (2004) in ‚Lust auf Erotik’ (2005). Prosaminiaturen in diversen Anthologien. Lesungen hielt Roswitha Hofmann im Allgäu, in Tannberg/ Salzburg, Meißen und Winterkasten/ Mannheim.

10 Kommentare »

  1. Herzlichen Glückwunsch, liebe Roswitha, für Dein preisgekröntes Gedicht!
    Die Einfachheit und bildhafte Dichte Deiner Verse besticht mich immer wieder. “bodenloser lesehimmel” – ich stand vor dem Bild, staunte und konnte mich nicht satt trinken. So viel Helligkeit strahlt aus Pinselstrichen, die alles überstrahlt.

    Kommentar von Gerda Steger — 02.11.2009 @ 15:33

  2. Juchhu!! Ich habe mich so gefreut, liebe Roswitha, deinen Namen als Siegerin zu lesen. Meinen herzlichen Glückwunsch, ich freue mich für dich. Dein Gedicht berührt mich in seiner Vielfachdeutigkeit. Liebe, liebe Grüße von Marion

    Kommentar von Marion Röckinghausen — 02.11.2009 @ 22:38

  3. ach wie schön, liebe roswitha,

    dass du es bist und ich dich ein kleines bisschen kenne. das mit dem im auge gewebten glück, nehme ich mit in mein leben. ingritt

    Kommentar von ingritt sachse — 02.11.2009 @ 22:39

  4. Hallo Roswitha,
    Leseabsicht, Lesers Glück, dazwischen ungesagt die Freiheit der Wahl und der Gedanken – ein Gedicht, das mich an die Intention eines Malers denken lässt, der im Portrait einen Ausdruck sucht in den Augen als Bezug zum Herzen.
    Weitere Schaffensfreuden wünscht dir Evelyne

    Kommentar von Evelyne Lauber — 03.11.2009 @ 08:23

  5. liebe Roswitha
    das freut mich sehr sehr. Ich bin bei dir mit meinen Glückwünschen und Gedanken und suche mit dir die Feder. alles Gute in deinem Lesehimmel
    Gertraud

    Kommentar von Gertraud Wiggli — 03.11.2009 @ 16:35

  6. hallo, roswitha, ein bißchen spät, aber ganz herzliche Glückwünsche! War schön, deinen namen zu lesen.
    ich glaube, dein “tischle” steht genau richtig und ich freue mich für dich.

    frohe gedanken gehen zu dir und herzliche grüße
    johanna

    Kommentar von Johanna Klara Kuppe — 03.11.2009 @ 17:04

  7. @ alle dichterfreunde

    ich bade in eurem lorbeer
    bin glücklich
    und danke von herzen
    roswitha

    Kommentar von roswitha hofmann — 04.11.2009 @ 14:14

  8. Liebe Frau Hofmann,
    ihre Kunst ist es, die Dichte des Erlebens in Worte zu fassen, die berühren , beglücken, wiedererkennen lassen und den Leser nimmer loslassen.
    Sie haben diese Preis und die Aufmerksamkeit des Publikums verdient!
    Herzlichen Glückwunsch
    Ihre Bewunderin
    J. Glas

    Kommentar von Glas Johanna — 05.11.2009 @ 20:17

  9. Liebe Roswitha,

    erst heute habe ich Dein Gedicht entdeckt.
    Bin beeindruckt und gratuliere Dir recht herzlich,
    siegfried

    Kommentar von s.ky — 24.01.2010 @ 15:35

  10. Liebe With,
    eine wunderbare Form – ich mag das Gedicht sehr!
    Es ist angekommen – nach seinem Flug – in meinem Auge…
    Gabi

    Kommentar von Gabriele Hobe — 01.06.2010 @ 21:31

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