Eine Bresche für die Lyrik
Ein Weblog für Lyrik und ihre Vermittlung zu eröffnen, beleuchtet mein Unternehmen mehr von der abenteuerlichen Seite. Professionalität und Poesie sind auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Gangarten. Denn Geschäft und Gedichte – dem widersprechen die schmalen Lyrik-Regale und Verkaufszahlen der Buchhändler, dagegen stehen immer noch tief verankerte Bilder vom armen Poeten à la Carl Spitzweg oder schließlich auch Vorstellungen, dass Verse anders als Romane nicht zum Bestsellerband taugen, sondern reifen müssen wie der Jahrgangswein im Keller.
Warum also für die Lyrik eine Bresche schlagen? Gedichte – dies zunächst als persönliches Bekenntnis – führen mich in Neuland, indem sie Sprache herausfordern und neu ausbilden. Damit werfen sie immer auch Denkprozesse an. Wenn ich Lyrik lese, bin ich in beiden Gehirnhälften zuhause. Bilder und Klang nähren die Intuition, die Logik übersetzt, ordnet das Gelesene oder Gehörte in Verstehenskontexte ein. Das weitet den Horizont und baut Sprachkompetenz aus, ebenso Wahrnehmung und das Feingefühl für Zwischentöne. Vom Spaß an der Lektüre oder Hörgenuss ganz zu schweigen.
Ich schreibe – dies als zweites Bekenntnis – Sachliteratur und Zeitungsartikel, keine Gedichte. Doch ich habe mich der Lyrik verschrieben und ihren Protagonisten: Ich fördere Lyrikerinnen und Lyriker, die bereits kontinuierlich und qualitativ im zeitgenössischen Stil dichten, unterstütze sie in der Perfektionierung ihres Handwerks, im Zugang zur Inspiration und bei ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit. Hier stelle ich vor allem die Lesung, das gesprochene Wort, in den Vordergrund.
Mein Weblog zielt daher darauf, Werkzeug und Strategien zu erkunden, Projekte vorzustellen, um sich als LyrikerIn zu vermarkten und bekannt zu machen. Dass dabei der Literatur- und Kunstbetrieb, Kultur generell in den Blick rücken, ist im Sinn der Sache.


Gedichte werfen Denkprozesse an und schaffen Sprache neu – genau diese beiden Aspekte sind es, die Gedichte für mich so wichtig machen. Du siehst, liebe Michaela, du stehst mit deiner Sichtweise nicht allein (und du hast das auch sicher nie gedacht).
Für mich liegt der Zauber der Lyrik in der intensiven Beschäftigung mit unserer Muttersprache. Indem mich mich als Lyrikerin plage und mühe – ja, es ist richtig harte Arbeit – meine Gedanken zu verdichten und meine Gefühle zu fokussieren, erfahre ich, was hinter und zwischen den Worten zu finden ist. Die Buchstaben und Silben beginnen zu leben, reihen sich neu und tragen mich ein Stück bergan auf meinem steilen Weg zu den dichterischen Höhen. So weiten sie meinen Blick und ändern meine Sichtweise. Jeder Vers ist ein kleiner Schritt nach vorn. Die Auseinandersetzung mit der Lyrik lässt mich lyrisch reifen – klingt das zu pathetisch?
Jedes Gedicht ist wie ein Bild, dass ich direkt in die Herzen der Leser malen möchte. Ich sehe darin die Verantwortung, als Wort-Künstler unsere Muttersprache zu bewahren und die Schönheit und Vielfalt der Sprache zu zeigen. Sprache macht uns Menschen reich – im Herzen und in der Seele. Oh wie ich es liebe, diesen Reichtum zu verschwenden…
Aber du sagtest es schon – von wohl gesetzten Worten allein kann keiner leben. Ich habe deshalb für mich einen anderen Weg gefunden, meiner Verantwortung als Wort-Künstler gerecht zu werden. Kleine und mittelständische Betriebe können in meinem Textstudio von meinen Erfahrungen aus der Dichterwerkstatt profitieren. Ich bringe Ideen und Gedanken auf den Punkt und, stricke aus den roten Ideen-Fäden meiner Kunden passgenaue Texte. Das lyrische Handwerkszeug ist für mich persönlich dabei unverzichtbar, denn mit der Lyrik verbinde ich neben der Kreativität vor allem Disziplin im Umgang mit der Sprache.
Ich finde, wir sollten uns nicht entmutigen lassen. Wenn wir Lyriker auch in vieler Leute Augen nur arme Poeten sind, so sind wir doch reicher als mancher Millionär. Und das erlaubt uns den Luxus, alle Zweifel hinweg zu wischen und weiter zu dichten, bis die Tasten qualmen
Aprilwettrige Frühlingsgrüße aus der Lüneburger Heide.
Ingrid Kling
Kommentar by Ingrid Kling — 01.04.2008 @ 12:55
Hallo Ingrid, fein, Dich hier zu lesen. Ein Teil der Aufgabe ist es genau, das “Außenbild” der Lyrik zu wandeln. Und ihr Status ändert sich ja bereits. Lyrik ist im Kommen (zumindest aus ihrem Versteck ins Rampenlicht). Dafür braucht es genauso das Selbstbewusstsein, dem inneren “armen Poeten” lebwohl zu sagen.
Gruß, Michaela
Kommentar by Michaela Didyk — 01.04.2008 @ 13:21
Ja, was bedeutet mir Lyrik und was fasziniert mich an ihr?
Ich denke, und da komme ich auch zur Sprache, es ist das Spiel mit ihr, das Aufbrechen der Alltagssprache, das “über die Grenze des im Alltag Möglichen gehen”. Es ist das auf einen Weg gesetzt werden, von dem man nicht weiss, wo er endet. Es ist die Möglichkeit zu berühren, Dinge ins Schweben und zum Klingen zu bringen, ähnlich der Musik. Es ist aber auch der Austausch mit dem Hörer/Leser, die Denkanstösse,die man bekommt durch seinen “Weg” mit dem Text. Nicht zuletzt fasziniert mich auch die Möglichkeit (wenn’s gelingt) in der Kürze des Textes grössere Zusammenhänge deutlich zu machen. Einen festen Weg, meine Lyrik an “Mann oder Frau” zu bringen, habe ich noch nicht gefunden, aber entmutigen lasse ich mich deshalb nicht, mit der Zeit tut sich vielleicht ein Fenster auf.
Kommentar by Johanna Kuppe — 01.04.2008 @ 19:58